Angus & Julia Stone: Spotify Session

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Das Geschwister-Duo Angus & Julia Stone erfreute uns vor wenigen Wochen mit einer exklusiven Spotify Session in Berlin. Mit dabei hatten die beiden Australier nicht nur eine vierköpfige Begleitband, sondern auch ein ganz besonderes Cover:

Wunderschön, das Cover von Sam Smiths „Stay With Me.” Was hat Euch dazu inspiriert?

Julia: Angus hörte den Song kürzlich in einer Hotellobby in New York.

Angus: Ich musste mich von jemandem verabschieden und genau in dem Moment, als ich das Hotel verließ, lief dieser Song. Es war die perfekte musikalische Untermalung für diesen speziellen Moment. Cool, was Musik so alles vermag.   

Gibt es andere Songs, die Euch emotional total mitreißen können?

Julia: Ja! Ein Song, den Angus auch schon gecovert hat: „River” von Joni Mitchell. Jedes Mal, wen ich den höre, bin ich tief bewegt.

Angus: Es gibt einen Song von Bill Withers, den er für seine Tochter geschrieben hat. Er wusste lange Zeit nicht, dass er eine Tochter hatte. Als er es herausfand, schrieb er „I’m Your Daddy” – ein starker und gleichzeitig trauriger Song, der alles beinhaltet, was einen guten Song ausmacht.

Themenwechsel: Welche materiellen Dinge liegen Euch am Herzen?

Julia: Mein neues Fahrrad, für das ich extra einen eigenen Schuppen in meinem Garten gebaut habe, damit es nicht so schnell rostet. Normalerweise bin ich nicht so respektvoll im Umgang mit materiellen Dingen.

Angus: Ich habe einen alten Ford F100, den ich liebe. Er ist wahnsinnig laut und rostig, aber sehr groß, man kann alles hinten reinwerfen und einfach losfahren.

Ein Surfboard zum Beispiel?

Angus: Oder aber eine Couch. Meine Freunde sitzen dann hinten, trinken Bier und ich fahre sie durch den Wald.

Klingt zauberhaft! Seid ihr Morgen- oder Nachtmenschen?

Beide (wie aus der Pistole geschossen): Definitiv Nachtmenschen!

Schreibt und produziert Ihr dann nachts?

Julia: Das ist situationsabhängig. Manchmal ist der frühe Morgen die perfekte Tageszeit, wenn man noch ganz benommen und verwirrt ist.

Erinnert Ihr Euch noch an Euer erstes Album?

Julia: Klar! „Daydream” von Mariah Carey.

Angus: Mein erstes Album war von The Presidents of the United States of America.

Rick Rubin ist nicht nur ein Produzentengott, sondern bekanntermaßen auch ein schräger Vogel. Was ist das verrückteste Ding in seinem Studio?

Julia: Ein Reiskocher, der mal Ozzy Osbourne gehörte.

Julia, welche drei Worte beschreiben Angus am besten?

Julia: Angus ist ehrlich, fokussiert und sehr phantasievoll.

Angus, was fällt Dir zur Julia ein?

Angus: Sie ist ein Engel, süß und was ganz Besonderes.

Letzte Frage: Was ist Euer Lieblingsgeräusch?

Julia: Ich mag das Sprudeln eines Flusses.

Angus:  An Lampen hängt manchmal eine Schnur zum An- und Ausmachen, die so ein „Klick-Klick” erzeugt. Ich mag das Geräusch und die Art, wie es sich anfühlt.

Danke Euch beiden!

 

 

ALT-J: Brotaufstriche, Fetische und Schwärmereien

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This Is All Yours” von Alt-J ist ein wundervolles Album für den Herbst, das sich – wie die Herren selbst finden – gut für lange Zugreisen eignet. Die düsteren Klänge des vielerorts als „Band der Stunde” gefeierten Trios aus Leeds sind aber nicht programmatisch für ihren Charakter: Sänger Joe, Keyboarder Gus und Drummer Thom beweisen Sinn für Humor und geben uns delikate Einblicke in ihr Privatleben.

Was ist erotisch an einer Chipstüte? In „Every Other Freckle” erweckt Ihr gewisse Assoziationen.

Gus: Die besten Stücke befinden sich immer ganz unten in einer Packung, wenn sie schon fast leer ist. Man muss ganz tief drin rumpulen, um den echten Geschmack zu bekommen – ähnlich wie bei einer Person.

Habt Ihr Fetische?

Thom: Wow, das ist eine delikate Frage. Hast Du sexuelle Fetische, Gus?

Gus: Ich spreche für uns alle wenn ich sage, dass wir einen Marmite Fetisch haben? Das ist dieser braune, salzige Brotaufstrich, den wir Briten so mögen. Ich esse Marmite gerne auf Buttertoast oder lecke es von einer weiblichen Brust.

Das ist sehr britisch, nicht jeder mag den Geschmack von Marmite.

Gus: Meine Freundin auch nicht, ich muss das immer woanders ausleben. (lacht)

Ihr habt keine Angst davor, jahrelang an Songs rumzuschrauben – seid ihr Streber?

Thom: Ich würde uns eher als Perfektionisten bezeichnen. Wir wollen einfach, dass unsere Musik möglichst gut wird.

Was ist Euer Lieblingsessen?

Thom: Spaghetti Bolognese, ich liebe alles mit Tomatensauce und Käse.

Gus: Ich liebe Muscheln.

Joe (der soeben dazugestoßen ist):  Ich liebe Marmite auf Toast, obwohl das kein richtiges Gericht ist.

Gus: Das Thema hatten wir schon bei einer anderen Frage.

Joe: Wenn man in der Todeszelle seine letzte Mahlzeit aussuchen kann, dann nimmt man das, worauf man gerade Lust hat und nicht sein Lieblingsessen. Ich entscheide mich jetzt also für Lasagne.

Was steht auf Eurem Rider?altj_3

Gus: In unserer Garderobe gibt es normale Sachen wie Bier, Wein, Knabberzeug, Fruchtgummis, Kokosnusswasser, …

Thom: Avocados eigentlich auch, aber die habe ich schon lange nicht gesehen.

Gus: Stimmt, wo zur Hölle sind die Avocados?

„Love is the warmest colour” heißt es in Eurem Song „Nara”. Welche Farbe hat Eure Musik?

Thom: Jeder Track hat eine andere Farbe, das Albumcover repräsentiert das ganz gut. „Hunger of the Pine” ist zum Beispiel grün.

Gus: Also wenn ich mich für eine Farbe entscheiden muss, dann finde ich, dass unsere Musik alle Abstufungen von Grün hat – von Waldgrün bis hin zu grellem Grasgrün. Grün kann sehr viele Assoziationen hervorrufen.

Thom: Für mich sind die Songs eher schwarz, gemischt mit Farben – so ergeben sich ganz dunkle Töne, wie ein dunkles Dunkelgrün oder Dunkelblau.

Seid ihr privat eigentlich auch so dunkel und mysteriös wie Eure Musik?

Joe: Wir haben schon einen guten Sinn für Humor. Aber bei uns ist es wie bei vielen Kreativen: Sie haben Höhen und Tiefen. Künstler schreiben über Dinge, die sie tottraurig machen. In ihrer Freizeit sind sie aber durchaus glückliche Menschen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Komiker, die hauptberuflich lustig sind, und wenn sie mal frei haben, sich mit Heroin trösten und weinen.

Was singt Ihr unter der Dusche?

Joe: Das sage ich dir …(summt eine Basslinie)

Thom: Stand By Me!

Joe: Ich singe die Melodie und mache gleichzeitig den Bass dazu „Bumm, bumm, boo boo, bumm bumm… When the night… Bumm, bumm, boo boo, bumm bumm…”

Gus: Heute hast du allerdings „Oh Tannenbaum” in der Dusche gesungen.

Joe: Was? Echt?

Gus: Ja, sogar auf Deutsch.

Was ist das beste am Herbst?

Gus: Am 5. November – an dem Tag ist übrigens auch Thoms Geburtstag – feiern wir Guy Fawkes Night. In jeder Stadt werden Raketen abgefeuert und es gibt ein großes Lagerfeuer. Für mich beginnt an diesem Tag die Weihnachtszeit. Ich liebe diesen Tag auch, weil man Glühwein trinken kann.

Was nervt am Herbst? altJ_2

Gus: Halloween nervt ziemlich.

Thom:  Und das Wetter in England. Ich mag es, viel Kleidung zu tragen, aber ich hasse Regen.

Schon mal jemanden getroffen und total nervös gewesen?

Joe: Wir waren einmal im selben Raum mit Alexa Chung und ich wurde plötzlich extrem nervös. Als hätte ich Angst, gleich erschossen zu werden. Alles in mir hat gekribbelt.

Hast Du sie angesprochen?

Joe: Nein! Das hätte nur peinlich geendet.

Aber Du hättest doch „Hallo” sagen können?

Joe: Ich sage nicht „Hallo” zu Leuten, die ich nicht kenne – auch nicht zu anderen Musikern oder Menschen, die ich wirklich bewundere. Wir sprechen erst, wenn wir zusammenarbeiten.

Was ist Euer Lieblingsgeräusch?

Joe: Für mich ist es gleichzeitig das liebste und schrecklichste Geräusch: Der Klang von Eis, das unter meinen Füßen bricht.

Gus: Scheiße, das wollte ich doch nehmen!

Thom: Ich mag es, wen ein Korken aus einer Flasche Champagner poppt.

Danke, Jungs, das war ein riesen Spaß mit Euch!

 

Milky Chance: Ganz normale Hitschreiber

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Clemens Rehbein und Philipp Dausch schafften im Alter von gerade mal 19 Jahren das, wovon viele Musiker ihr ganzes Leben lang träumen: Sie schrieben einen Welthit.

Den im Kassler Kinderzimmer aufgenommenen Song hatten sie kurzerhand ins Internet geladen, schon bahnte er sich seinen Weg in die Radiostationen und Charts rund um den Erdball. Von Australien bis in die USA wird heute zu „Stolen Dance” gesummt, gegroovt und getanzt. Anfangs war den zwei Hessen der Erfolg ein bisschen unheimlich, mittlerweile nehmen sie den Trubel etwas gelassener. Als wir Gitarrist Clemens und seinen Kumpel und Beatbastler Philipp zum Interview treffen, sprechen wir mit zwei tiefenentspannte Typen, die sich absolut auf dem Boden geblieben geben.

War Euch im Studio bewusst, dass Ihr mit „Stolen Dance” einen riesen Hit geschrieben habt?

Philipp: Nein, wir fühlen sowas nicht. Wenn ich einen Song schreibe, denke ich mir „Bämm, geil!” und fühle mich bestätigt. Ich freue mich einfach, wenn er mir gefällt.

Euer Leben ist gerade ziemlich turbulent. Was ist die größte Veränderung, die Euch widerfahren ist?

Clemens: Die Zeit, die man zu Hause verbringt, das Reisen und unterwegs zu sein. Zu Hause hat sich aber nicht viel geändert.

Philipp: Diese Musikwelt, in die man eingetaucht ist, ist komplett neu.

Clemens: Man kommt in so einen Apparat rein und merkt dann mal, was „Charts” überhaupt bedeutet und wie mit Musik gehandelt wird. Das ist verrückt!

Philipp: Im Endeffekt ist es ein Geschäft wie jedes andere, nur, dass die Produkte leben.

Hat sich Euer Umfeld verändert?

Clemens: Auf Reisen lernen wir viele neue Leute kennen. Aber das Umfeld, was uns umgibt, ist immer noch das gleiche. Wir können da ganz gut unterscheiden….

Philipp: Wenn man auf Tour geht, ist man dauernd von Menschen umgeben – Fotografen, Journalisten oder auch Labelfuzzis. Zu Hause ändert sich das automatisch, auch im Kopf. Aber man denkt schon auch darüber nach, was man in den letzten Wochen alles erlebt hat.

Clemens: Wir befinden uns in zwei Welten, dieser Hype hat uns schon aus unserem anderen Leben rauskatapultiert.

Philipp: Aber bekanntlich soll man das Geschäftliche nicht mit nach Hause bringen.

Clemens: Außer die Musik, die ist immer da.Milky Chance 1

Ein kleiner Nebeneffekt von einem Hit ist Geld auf dem Konto. Ihr hattet einen VW Bus, den Ihr, um das Album zu finanzieren, wieder verkaufen musstet. Gibt es mittlerweile Ersatz?

Clemens: Ich habe mir eine Gitarre und ein Banjo gekauft, aber einen neuen Bus gibt es noch nicht.

Philipp: Wir sind beide in eine neue Wohnung gezogen, das hätten wir davor aber auch gemacht. Man gönnt sich unterbewusst viel mehr, man überlegt sich nicht mehr, ob man sich die Kippen leisten kann oder nicht.

Clemens: Früher haben wir uns schon manchmal gedacht: „Scheiße, wie kommen wir nur über die Runden?” Aber jetzt leisten wir uns auch mal Instrumente oder Studio-Equipment. Das gibt schon ein bisschen Sicherheit.

Gar keinen Luxus, den Ihr Euch leistet?

Clemens: Ich habe mir mal einen Urlaub gegönnt.

Philpp: Unser Leben und das, was wir machen, ist an sich schon luxuriös. Wir müssen uns nicht noch Goldketten und Autos zulegen.

Clemens: Was Du ansprichst, ist mehr so der Prunk. Wenn Menschen drauf abfahren zu zeigen, was sie haben…

Ist nicht so Euer Ding, das so raushängen zu lassen. Es gibt aber so viele Statussymbole: Klamotten, Uhren…

Clemens: Ich hoffe das wird auch nie so unser Ding!

Philipp: Modisch sein ist das eine – ich würde schon behaupten wir sind auf eine gewisse Art modisch – aber wir kaufen unsere Klamotten noch immer dort, wo wir sie immer gekauft haben. Heute trage ich ein Second Hand Hemd aus London, das kostet jetzt nicht die Welt, aber ist trotzdem cool.

In den letzten Monaten seid ihr quer durch Europa gereist. Gibt es schon Pläne für eine US-Tour?

Philipp: Ja, wir sind im Oktober zwei Wochen da und spielen vier Konzerte – in New York, L.A., Houston und Toronto. Nächstes Jahr machen wir acht Wochen am Stück, in einem Nightliner quer durch die Staaten.

Clemens: Philipp war schon mal in den USA, ich nicht. Ich stelle es mir einfach riesengroß vor und denke, es gibt sehr viel zu entdecken – vor allem auch landschaftlich.

Philipp: Das trifft es ganz gut!

 

Im Anschluss an dieses Gespräch performten Milky Chance eine Spotify Session, die Ihr Euch hier anhören könnt:

257ers: Neues Album „Boomshakkalakka”

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Seit seiner Veröffentlichung am Freitag ist „Boomshakkalakka” von den 257ers das meistgestreamte Album in Deutschland. Höchste Zeit, das gute Stück genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Singles „Baby du riechst” und „Warum” sind der Spotify Gemeinde bestens bekannt: Gemeinsam wurden beide Songs fast 6 Millionen mal gestreamt. Nicht weiter verwunderlich also, dass sich „Boomshakkalakka” sofort auf Platz eins unserer Toplisten positioniert hat. Ganze 21 Tracks umfasst das Werk, wir haben unsere Lieblingssongs rausgepickt und die drei Rapper nach den Geschichten dahinter befragt.

Irgendwo in Vegas – feat. Alligatoah

Shneezin: Alligatoah und wir sind privat Kumpels. Er kam mit der Idee der Fortsetzung unseres letzten Featuresongs um die Ecke. In diesem Song geht es darum, dass wir kurz Zigaretten holen waren und nach 20 Jahren zurückgekommen sind. Hat ein bisschen länger gedauert – sollte die Frau wohl verschmerzen können. Wir plädieren darauf, unseren rechtmäßigen Platz in der Familie einzunehmen.

Keule: Lukas, also Alligatoah, hat extra den Beat in seinen Urlaub mitgenommen und die Hook in den Bergen geschrieben. Für uns war es ein Leichtes, daran anzuknüpfen.

Kalle macht den Song

Mike: Ja, der Kalle hat ‘nen Song gemacht. Er hat ihn uns gegeben und darauf bestanden, dass er auch so heißt wie das, was er gemacht hat. Also heißt der Kalle macht den Song-Song jetzt auch Kalle macht den Song.

Behindert

Keule: Es gibt wenige Songs, die so 257ers-typisch sind wie der jetzt. Das ist wie bei „Hokus Pokus”. Da werden die Fans sich freuen über das schöne Lied.

Shneezin: Das ist ein super Lied.

Keule: Das ist auch eine Hymne. Das kann man schön mitsingen live. Da freu ich mich schon drauf.

Shneezin: Es geht einfach darum, dass Mama und Papa sagen: „Junge, du bist behindert.”

Keule: Aber das stimmt halt gar nicht.

Shneezin: Ne.

Keule: Wir sind halt cool.

Let’s Sexualität

Shneezin: Das ist ein Lockermach-Song. In der Hook heißt es zuerst „Gangsterrapper” und danach „Hipsterrapper”, wir sagen ihnen, dass sie sich einfach mal nackig machen sollen. Der liebe Gott hat uns alle gleich gemacht und das kann man doch ruhig auch mal zeigen. Mach dich nackt und fühl dich frei! Denn nicht Kleider machen Leute, sondern Kinder machen Kleider.

Videospiel
Shneezin: Ich zocke halt mehr so die Actiongames, Mike und Keule zocken eher die Sportspiele gegeneinander und streiten sich darum, wer der beste FIFA-Spieler der Welt ist. Wir haben also einfach mal die ganze Zockerlandschaft in einen Song gepackt.

 

Für die, die „Boomshakkalakka” noch nicht gehört haben, haben Keule, Mike und Shneezin einen Wunsch parat:

Mike: Hört Euch das Album an und werdet am besten langsam betrunken. Trinkt ein bisschen vor, macht das Intro an, hört weiter. Wenn Ihr im Laufe des Albums so richtig besoffen geworden seid, dann merkt Ihr: Ey, das war geil!

Shneezin: Man soll es auf jeden Fall laut hören und auf ‘ner guten Anlage. Nicht auf’m iPhone im Park.

Mike: Oder so einen Bollerwagen mit Boxen hinter sich herziehen, dann ist das Feeling so allgemein das richtige.

257ers: „Aber nur, weil Mädchen zu eitel sind!”

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Die Rapper aus dem Ruhrpott über Schimpfwörter, Hater und Credibilty  

Donnerstag, zehn Uhr morgens, Kupferdreh im Südosten Essens: Die 257ers aka Shneezin, Mike und Keule sitzen schön aufgefädelt vor einem Computerbildschirm und stehen uns per Videotelefonie Rede und Antwort.

Trotz der frühen Uhrzeit wirken die 257ers frisch geduscht, sehr wach und entspannt. Die drei Rapper befinden sich an dem Ort, wo sie die meiste Zeit verbringen – ihrem Studio. Direkt vor der Tür gibt es einen Wald und wenn Shneezin, Mike und Keule den Kopf durchpusten wollen, gehen sie raus. Sie mögen es, Baumhäuser zu bauen und die Hunde durch den Bach zu jagen. „Wir sind Kinder im Geiste”, schlussfolgert Keule. Kinder spielen aber nicht nur gerne, sie können auch ganz schön gemein sein. Im Tourbus der 257ers gibt es deshalb eine Grundregel: Niemals einschlafen! Passiert das doch, wird das Gesicht des Kollegen schon mal mit Textmarker beschmiert oder seine Augenbraue rasiert. 

Gibt es noch irgendwelche sozialen Regeln, die Ihr einhaltet?

Shneezin: Töten! Wenn wir uns gegenseitig umbringen würden, wäre eine Grenze erreicht. Oder sagen wir es so: Jemand anderen körperlich schwer zu verletzten. Im Umgangston oder der Kommunikation sind keine Grenzen gesetzt.

Keule: Wir haben das letzte Album HRNSHN genannt – jeder darf sich selbst zusammenreimen, was das bedeutet – und finden, man soll nicht so ernst nehmen, was einer zu einem sagt.

Shneezin: Worte können nicht verletzten, da muss man schon vorgeschwächt sein – durch Liebe oder sowas. 

Apropos Liebe: Liegt Eurer Single „Baby du riechst” eine wahre Geschichte zugrunde?

Shneezin: Nö, keine bestimmte wahre Geschichte, sondern einfach ein Kern, wo sich viele mit identifizieren können.

Keule: Der Song ist nicht auf Mädchen bezogen, sondern unisex. Es geht nicht nur um Geruch, sondern um die Macken des anderen – schnarchen, sabbern, alles was dazu gehört, wenn man zusammen im Bett liegt.

Shneezin: Das Riechen steht nur stellvertretend für alle schlechten körperlichen Eigenschaften, die jemand an sich hat.

Trotzdem eine schwierige Sache, Mädchen auf Körpergerüche anszusprechen…

Keule: Aber nur, weil Mädchen zu eitel sind! Die sollen mal ein bisschen aus sich rauskommen, back to the roots. Die waren früher in genau denselben Höhlen, in denen wir auch waren.

Mike: Wenn irgendjemand vom Feiern kommt stinkt der, egal wie sehr er sich eingesprüht hat. Das ist Tatsache.

Keule: Mädchen waren auch schon mal auf Mädchenklos, nehme ich an, und das ist ja bekanntlich auch schlimmer als bei den Jungs. Deshalb sollen sie mal nicht so tun, als wäre alles nur Blümchen da.

Übersehen Menschen, die Euch als Assi-Rapper abtun, die humoristische und metaphorische Ebene?

Shneezin: Ja, die wollen die aber auch übersehen. Wer denkt, dass wir das ernst meinen und die total gestörten und super kaputten Opfer-Menschen sind, der ist wahrscheinlich selbst viel schlimmer.

Keule: Das sagen wahrscheinlich auch nur der Verein Bibeltreuer Christen oder sonst irgendwelche Organisationen, die selbst total engstirnig und naiv sind. Für genau solche Menschen machen wir diese Musik, wir wollen anecken – im positiven Sinne. Wenn irgendwelche Spießer aus ihren Löchern kriechen, dann ist das für uns Bestätigung.

Shneezin: Gefundenes Fressen: Wenn sich einer über uns aufregt, dann haben wir neues Futter zum Schreiben. Wie zum Beispiel die Gangster, die meinen, dass wir ehrenlos wären, keinen Stolz hätten und deren Werte durch den Kakao ziehen.

Keule: So sehr wir uns und andere beleidigen, wenn meine oder seine Mutter anruft und Hilfe braucht – wir fahren sofort hin und helfen. Wir sind halt trotzdem noch ganz normale Menschen. Wir wollen nur vermitteln, dass wenn man in der U-Bahn „Hurensohn” sagt, man dem nicht gleich den Schädel eintreten und auf 17 Generationen verfluchen muss. Man kann auch einfach weitergehen, grinsen und sagen: „Jap, kann sein!” Beleidigungen und Worte sind nur da, um gesagt zu werden.

Mike: Man muss schon ein ziemlich emotionales Wrack sein, wenn man auf sowas direkt anspringt. Ich habe mal gehört: Stolz und Ehre haben nur Leute, die nicht darüber reden. (Pause) Also wir haben sie trotzdem nicht…

Shneezin: Aber Gangsterrapper reden vielleicht zwölf Mal in einem Song darüber. Also irgendwo verkörpern wir doch noch menschliche Werte. Die metaphorische Ebene wird leider bei uns gerne ausgeblendet. Wir werden dann auf unsere Asozialität, Drogen, Schwanz, Nutte, Kacka und Pippi reduziert…

Im Herbst spielt Ihr 52 Konzerte! Welche Vorbereitungen sind zu treffen?

Keule: Lipton Eistee und das darf ich nicht sagen, aber sonst eigentlich nichts.

Mike: Alle sagen zu uns,  dass wir Sport machen sollten um fit zu sein. Aber davon sehen wir ab.

Shneezin: Wir bringen ein Klettergerüst auf die Bühne. Während der Show haben wir also genug Möglichkeiten, uns fit zu halten und auszutoben.

Keule: Wir improvisieren….

Shneezin: Nee, also wir müssen dieses Mal schon richtig planen. Wir sind uns noch nicht sicher, wie die Show aussehen wird. Wir haben das Bühnenbild und die Kulisse, aber der genaue Showablauf ist noch nicht sicher. Ich bin dieses Mal gegen improvisieren. Man muss den Fanseine kleine Show bieten, mit Theater- und Comedyelementen, das haben wir auch bei der letzten Tour schon so gemacht.

Keule: Wir werden auf jeden Fall komplett abreißen, auch in Hintertupfingen. Wir möchten jeden Ort mit unseren Mutanten kaputt machen.

Universal Music und Eure Homebase Selfmade Records sind ein Joint Venture eingegangen. Hattet Ihr Bedenken in Sachen Credibility?

Shneezin: Selfmade macht seit Jahren den besten Job, den man in der HipHop Branche machen kann und wir bekommen weiterhin keine Grenzen gesetzt und dürfen unseren Müll machen. Was im Hintergrund läuft, bekommen wir gar nicht so mit.

Keule: Wenn jetzt auf einmal unser Song im Radio läuft, den wir früher auch gespielt hätten, warum nicht?

Shneezin: Was früher nur ein Youtube Video gewesen wäre, wo man gehofft hätte, dass es ein paar Klicks mehr bekommt, läuft jetzt im Radio. Wir sind echt zufrieden, man kann den Leuten mal freie Hand lassen. Die machen das schon ein paar Jahre länger als wir…

Keule: Bei uns ist das Gute, dass wir uns nicht als HopHop real” bezeichnen würden und sagen ich rappe jetzt nur vor meiner brennenden Mülltonne!”. Und wenn Leute meinen, dass wir uns verkauft haben: Na und? Dann bin ich auf der Ballermann Hits, ich kann sie mir trotzdem ins Zimmer hängen. Was willst du denn später mal Deinen Kindern erzählen? Weil ich es real keepen wollte, habe ich immer so 2Pac for live mäßig mein Leben gelebt. Das ist doch scheiße! Wir machen einfach Mucke, die uns Spaß macht und wenn Leute auch Spaß dran haben, können sie es draufhauen, wo sie wollen.

Das ist mal ‘ne Ansage! Werden Eure Kinder noch „Akk” sagen?

Keule: Unsere Kinder werden sogar Akk heißen!

Shneezin: Wir etablieren das als Vornamen.

Keule: Jonathan Fraser Akk Schneider sollte Shneezins Kind heißen, glaube ich.

Shneezin: Oder Atze Johnny Akk.

Keule: Bei mir bin ich mir noch nicht sicher.

Shneezin: Wenn unsere Kinder später abgehen wäre das auch gut. Abgehen ist das neue Akk.

Mike: Man sollte immer abgehen, das ist eine Lebenseinstellung.  

Dann wünschen wir viel Spaß beim Abgehen und danken fürs Interview!

Rap mit Herz: Olson

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Heute erscheint das lange erwartete Debütalbum des Berliner Rappers Olson. In wunderbaren Bildern erzählt er seine Geschichte, die von Feiern, Frauen und Freigetränken, aber auch von Quality Time mit der Liebsten zu Hause auf der Couch handelt.

Hallo, Olson, Dein Album Ballonherz in drei Worten?
Fernweh. Großstadt. Luxusprobleme.

Wie viel James Dean steckt in Olson?
Er ist aus seinem kleinen Dorf nach Hollywood gezogen, um Schauspieler zu werden. Ich bin aus meinem Dorf nach Berlin gezogen, um Musiker zu werden. Das war’s dann auch schon. Im Song erzähle ich, dass ich nur rumhänge, feiern gehe und nichts erreiche, aber darauf achte, dass mein Haar gut liegt und mein Hemd gut sitzt bevor ich rausgehe und tu als wäre ich James Dean. Er steht eher synonym für den „coolsten Kerl der Welt“.

Wie oft stehst Du zu verscheppert im Berghain?
Selten. Das ist eher ironisch zu verstehen.

Was ist der beste Club in Berlin?
Kann ich nicht sagen. Gibt viele gute. Am Ende läuft es aber meistens aufs PC hinaus.

Stell Dir vor Dein Leben ist ein Film: Wer führt Regie und welche Schauspieler spielen die Hauptrollen?
Spontan würde ich Jennifer Lawrence als eine der Hauptrollen vorschlagen. Ich spiele mich aus Gründen dann selbst. Regie kann meinetwegen meine Nachbarin aus dem ersten Obergeschoss machen.

Cornflakes und Trash TV: Welche Trash TV Show feierst Du gerade?
Promi Big Brother.

Findest Du die Bachelorette heiß?
Geht schon klar.

Du hast Dir viele deutsche Pop-Alben als Inspiration für Dein eigenes Debütalbum angehört. Deine Top 3?
Bosse – Kraniche
Maxim – Staub
Thees Uhlmann – Thees Uhlmann

Laut Twitter hast Du Kanye West auf der Toilette getroffen. Eure Konversation?
Kanye: „Whuzzup man?“
Ich: „Krchhhhmmwooohaaaarghhh “

Welchen Song hörst Du zum Partymachen?
Wiz Khalifa – We dem Boyz

Welchen Song hörst Du, wenn Du gut drauf bist?
Pusha T – Sweet Serenade

… und wenn Du schlecht drauf bist?
DJ Khaled – No new friends

Welcher Song erinnert Dich an Deine Kindheit?
Matthias Reim – Rampenlicht

… und an Deine Jugend?
Kool Savas – King of Rap

Welcher Song soll auf Deiner Hochzeit laufen?
Drake – Best I ever had

… und auf Deiner Beerdigung?
M83 – We own the sky

Letzte Worte?
Folgt mir auf Spotify. Werde dort regelmäßig Playlisten erstellen und aktualisieren. Danke für den Support!

Danke, Olson!

BONAPARTE: „Alleine Kinder zu machen funktioniert ja auch nicht!”

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Der Frontmann von Bonaparte über Dreiecksbeziehungen, Selfies und die Generation Y.

Tobias Jundt, der Frontmann von Bonaparte denkt und spricht in Zitaten: „Ich kann tatsächlich mein Leben in Songzeilen erklären”, meint er in etwas scherzhaftem Tonfall. Seine Texte, die gerade in den „Anti Anti”-Anfangstagen der Band sehr parolenhaft waren, eigenen sich gut dafür. Er bringt die Dinge auf den Punkt, ohne seinem Publikum Raum für Interpretation und Identifikation zu nehmen. Eine Fähigkeit, die ihm von manchem Kritiker den Titel „Sprachrohr der Generation Y” eingebracht hat.

Fühlst Du Dich als Sprachrohr der Generation Y?

Ich weiß nicht, was diese Generation Y sein soll. Bezieht sich das auf die Chromosomen? [lacht]

Wesentliche Merkmale dieser Generation sind, dass sie auf Selbstverwirklichung pocht, sich mehr Freiräume schafft, verrückt nach Technik und sozialen Medien ist und Arbeit und Spaß verknüpfen möchte.

Damit habe ich kein Problem – Arbeit und Spaß zu verknüpfen ist mein Leben! Für die Berlin-Trilogie mag das, was Du aufgezählt hast, zutreffen, aber das Album mit dem Titel „Bonaparte” stellt die Frage: Was wird aus der Generation Y? Es muss doch irgendwann der Schrei nach mehr Mensch und weniger Technik kommen. Die Frage, die sich stellt, muss lauten: Wie schaffe ich einen Spagat zwischen Arbeit, Spaß und dem Leben als einfacher Mensch. Was ist denn am Ende des Tages das, was uns glücklich macht? Das sind doch sehr einfache Dinge. Die müssen reinpassen in dieses „Alles geben! Alles ist möglich! Viel Freiheit! Viel Technologie!”. Die Generation Mensch zählt, das erzähle ich auch in meinem Song „Into The Wild”. Als Künstler muss man Antworten geben und in die Zukunft sehen können.

Den Selife-Hype hast Du in „Me So Selfie” auch schön zusammengefasst.

Der Song wurde schon vor über einem Jahr aufgenommen, aber noch nicht veröffentlicht. Es handelt sich um eine spannende Entwicklung, die in anderen Bereichen schon viel früher stattgefunden hat, in der Musik ist das Selfie schon länger verbreitet als in der Fotografie: Der Mensch, der selbst musiziert, sich selbst aufnimmt, seine Musik selbst hochlädt – fertig.

Du warst zu dem Zeitpunkt, als der Song entstanden ist, in den USA. Viele Trends entstehen dort und schwappen dann nach Europa.

Das stimmt, allerdings weiß ich nicht, ob Bonaparte in New York, Los Angeles oder Austin so entstanden wäre. Deutschland bietet andere Räume, die Amerika nicht mehr hat. Berlin war 2005 für uns ein Spielfeld, 2015 wäre das nicht mehr das gleiche. Ich würde Bonaparte nicht mehr so machen, wie damals. Die USA sind sehr spannend, gerade als Musiker. Da wird nicht lange rumgefackelt. In Berlin kann man mal ein paar Monate lang in den Tag oder in die Nacht hinein leben und dann mal gucken, was passiert. In New York musst du abliefern, jeden Tag.

Wie hat sich Dein Tagesablauf in New York gestaltet?

Neben dem Aufnehmen habe ich Solokonzerte gespielt. Im ersten Monat nur für ein warmes Bier, nur mit einem Monitor und einem Mikrofon inmitten der Leute. Im zweiten Monat habe ich mich auf die Bühne „hochgespielt” und im dritten durfte ich meine Band dazuholen. Dann war es für mich aber gegessen, ich wollte gucken, wie schnell ich Gigs kriege.

„Cut the wire, be a bird” lautet eine Zeile in „Into The Wild”. Bist Du frei wie in Vogel?

Die Zeile ist eine Referenz an den Cohen-Song „Bird on the Wire”. Man soll sich Zeiträume freischaufeln, in denen man ein Vogel sein kann. In diesen Räumen entstehen total spannende Sache. Auch Bonaparte ist aus einem Vakuum heraus entstanden. Die aktuelle Platte, weil ich gesagt habe, ich gehe woanders hin und es geht niemanden was an, was ich dort mache. Dann habe ich eine Platte geschrieben, die sowohl Bonaparte als auch Tobias Jundt ist. Es funktioniert nicht mehr, dass ich mir eine Maske aufsetze, ein schwarzes Auge aufklatsche und das Gefühl habe, ich bin jetzt jemand anderes. Nach sieben Jahren auf Tour ist das nicht mehr möglich. Spagat heißt, dass ein Bein links und ein Bein rechts ist aber beide zum gleichen Mann gehören.

Kommen wir zu einem anderen Song, „Two Girls”: Wie ist das so, in zwei Mädchen gleichzeitig verliebt zu sein?

Ich spreche nicht über die Entstehungsgeschichten hinter meinen Songs. Manchmal stammen die auch aus einer anderen Zeit. Die sind nicht immer jetzt oder im letzten Jahr passiert. Jeder Song hat mit meinem Leben und mit mir als Person zu tun. Es gibt Fälle wo es so scheint, als wäre ich das lyrische Ich und in Wahrheit ist es jemand anderes. Die meisten Songs haben mehrere Arten, wie man sie lesen kann. Wenn man von einer Dreiecksbeziehung spricht, heißt das ja nicht unbedingt, dass ich die Gabelung von dem Y bin. Wie ich versuche mich da schon wieder rauszureden… herrlich!

Angelehnt an das Thema Dreiecksbeziehung: Glaubst Du an das Konzept von Monogamie oder ist das veraltet?

Ich glaube sehr daran! Mein billigster Joke, wenn es in Interviews um „Two Girls” geht, ist derzeit: Liebe ist wie Songwriting, man kann schon mal in der Gruppe Lieder schreiben, aber die sind meistens nicht so gut. Songwriting funktioniert besser alleine oder zu zweit. Die Hits schreibt man am besten zu zweit.

Tatsache?!

Neee… die schreibt man alleine. Aber ich wollte auf die Liebe zurückkommen. [lacht]  Alleine Kinder zu machen funktioniert ja auch nicht, das habe ich auf „L’Etat C’est Moi” schon abgehandelt. Mein Über-Ego-Song, in dem singe ich, dass ich mit mir selber Kinder mache. Ich glaube schon an die Monogamie und finde es toll, wenn Menschen das ein Leben lang schaffen ohne dass es ein Zwang ist, der von Religion oder Anstand diktiert wird. Wenn das aber nicht so ist, ist das auch keine Sünde. Das Leben passiert in Phasen. Die Ideologie, die ich jetzt vertrete, ist vielleicht in fünfzehn Jahren eine andere. Der Mensch, der jetzt zu mir passt, ist vielleicht in fünfzehn Jahren ein anderer. Natürlich versucht man bzw. auch ich, dass eine Beziehung für immer ist. If nothing lasts forever, say, can I be nothing? Das schöne in der Liebe ist, dass es in dem Moment für immer ist. Das für immer, das es gibt, ist zeitlich begrenzt. In meiner Band gibt es verschiedene Ausrichtungen, nicht nur hinsichtlich Lebensführung oder sexueller Natur, sondern auch das Konzept Familie betreffend. Ich gehe den relativ konservativen Weg, für mich macht der am meisten Sinn, wenn ich ehrlich bin.

Die Akteure auf der Bühne variieren bei Bonaparte von Konzert zu Konzert. Wie viele sind es bei der Office Session heute?

Drei. Wir konzentrieren uns auf die Musik und nichts drumrum, da es aufgenommen wird und man es eine Ewigkeit hören kann. Wenn wir Shows spielen, nehmen wir gerne auch mal andere Leute mit – Tänzer oder so. Das wurde allerdings auch weniger. Das, was die Leute „Zirkus” nennen, hat sich abgenutzt.

Die Aufnahmen zur Bonaparte Spotify Session könnt Ihr Euch direkt hier anhören, viel Spaß:

 

Auf ein „Schripple” mit den Beatsteaks

BeatsteaksWas die Beatsteaks vor fast zwanzig Jahren im örtlichen Jugendclub auszeichnete, schaffen sie heute als Headliner der größten Festivals: Ihre authentische Live-Energie begeistert ein Publikum von der ersten bis in die letzten Reihe. Ganz ohne Skandale und Medienrummel wuchsen die Berliner kontinuierlich zu einer echten Rockinstitution. Dass sie in dieser beispiellosen Entwicklung immer auf Augenhöhe mit den Fans blieben, ist nur ein weiteres Indiz für das, was wir im Interview mit Gitarrist Peter und Schlagzeuger Thomas erleben: Die Beatsteaks gehören zu den sympathischsten Bands Deutschlands. 

Davon könnt Ihr Euch nicht nur im folgenden Interview überzeugen, sondern auch ganz persönlich am kommenden Montag, den 4. August. Von 18 bis 19 Uhr beantworten Euch die Berliner all Eure Fragen im exklusiven Live-Chat. Einfach hier klicken und mitmachen: http://open.soundrop.fm/s/beatsteaks

Ihr seid seit vielen Jahren erfolgreich im Musikgeschäft: Könnt Ihr Euch entspannt zurücklehnen, weil Ihr alles erreicht habt?

Peter: Im Gegenteil, man ist total verwundbar erstmal. „Alles erreicht” ist ein sehr dehnbarer Begriff.

Thomas: Je mehr man hat, desto mehr will man auch. [lacht]

Peter: Man kann ja nie genug kriegen. Wir machen uns nicht doll Gedanken darüber, was noch zu erreichen wäre oder nicht. Es ist ein Traum, dass man von der Musik die Miete bezahlen kann und das ist schon mehr, als man zu wünschen gehofft hat. Für uns ist nicht immer das Ziel: höher, weiter, schneller! Und was kommt nach der Wuhlheide? Das Olympiastadion? – Uns geht es eher darum wie lange wir unseren Film nach unseren eigenen Regeln weiterfahren dürfen. Wir wollen uns nicht verbiegen, das geht auch gar nicht richtig. Ich kriege auch immer noch einen leichten Würgereiz bevor ich auf die Bühne gehe. Bei uns dealt jeder mit seiner Nervosität und da ist noch nicht viel Abgebrühtheit zu spüren.

Ihr habt ein paar Handyclips mit dem Titel „Studiokoller” gepostet. War’s so schlimm im Studio?

Peter: Das war überzogen, dieses Mal hatten wir gar keinen, weil unser Studioaufenthalt nur zehn Tage dauerte. Da muss man sich schon doll anstrengen, um einen Koller zu kriegen in so kurzer Zeit. Aber Studiokoller hatten wir schon das eine oder andere Mal. 

Thomas: Wenn man sich längere Zeit in einem Aufnahmestudio befindet, treibt das manchmal komische Blüten. Abgeschottet von der Außenwelt stellt sich ein Realitätsverlust ein. Manche fangen an zu zappeln und bewegen sich komisch, andere reden nur noch Müll.

Eine Konzertkarte der Beatsteaks kostet 35 Euro. Ein moderater Preis im Gegensatz zu dem, was man für manch andere Band hinblättern muss.

Peter: Wir sind in der glücklichen Lage eine tourende Band zu sein, die überhaupt noch Einnahmen über Livekonzerte und Merchandising hat.  Wir rechnen nicht wirklich damit, dass jemand mit einem Koffer Geld vorbei kommt und sagt: „Das ist für die CDs, die ihr verkauft habt.”

Thomas: Viele Bands haben so exorbitante Shows, dass die in der Produktion sehr viel kosten. So ein Justin Timberlake muss schon ein bisschen mehr verlangen, um das wieder reinzubekommen. Geldgier würde ich nicht mal allen unterstellen.

Peter: Manchmal kann ich mich aber auch nicht dagegen wehren, dass da eine  „Verbrannte Erde”-Taktik gefahren wird – im Sinne von: „Wir kommen und nehmen mit, was geht.”

Thomas: Aber hat der nicht eine Bühne, die durch den ganzen Saal fährt?

Das wäre vielleicht eine Idee für Euer 20-jähriges Jubiläum nächstes Jahr?

Peter: Das müssen wir uns wirklich gut überlegen! Wir werden auch bestimmt irgendwas machen, wir wissen bloß noch nicht genau, was. Die besten Feiern sind die ungeplanten.

Thomas: Gute Musik ist die Grundlage für jede gute Party. Uns wird schon was einfallen. Vielleicht feiern wir an einer besonderen Örtlichkeit.

Peter: Vielleicht dürfen nur 20 Leute rein… Machen wir doch irgendwas, wo die Zahl drinsteckt: 20 Lieder, 20 Leute…

Thomas: … 20 Euro….

Thomas, Du als als einziger Nicht-Berliner der Beatsteaks: Was macht einen richtigen Berliner aus?

Thomas: Eine unwahrscheinliche Unfreundlichkeit, eine Berliner Schnauze, Servicewüste sowieso – man wird beim Bäcker schon angeschnauzt, obwohl man nur ein „Schripple” bestellen will. [Anmerkung der Redaktion: „Schrippe” ist berlinerisch für Brötchen, die Endung „-le” ist eine sprachlich Eigenheit, der nicht immer geliebten zugezogenen Schwaben in Berlin.]

Peter:  „Schripple” hast du gesagt? Hier geht’s schon los. Damit bist du identifiziet! Er ist ein bisschen schroff, der Berliner, auf jeden Fall. Aber nicht im Herzen, das ist nur die Schale.

Thomas: Das is ‘ne sehr große, sehr harte Schale und ein sehr weicher Kern!

Was sind Eure musikalischen Entdeckungen des Jahres 2014?

Thomas: Die österreichische Band Bilderbuch, die mit uns auf Tour gehen wird! Eine tolle Band!

Peter: Ich lebe musikalisch etwas in der Vergangenheit. Ich kriege nur mit, was die Musikbegeisterten bei uns in der Kapelle mir direkt auf dem Silbertablett präsentieren und sagen: „Höre dir das doch bitte mal an!”

Thomas: Manchmal entdeckt auch Peter Baumann etwas, auch, wenn er jetzt tiefstapelt.

Peter: Icke? Was habe ich denn als letztes entdeckt? Immer, wenn ich etwas vorgespielt habe, kanntet ihr es schon. Deshalb habe ich die Suche nach dem neuen heißen Scheiß irgendwann eingestellt.

Es stehen zwei Festivals an bei Euch: Rock’n’Heim und Highfield. Auf welche Acts freut Ihr Euch am meisten?

Peter: Ich habe das Line Up gelesen und fand es gar nicht sooo schlecht.

Thomas: Ist nicht Outkast irgendwo dabei? Darauf freue ich mich! Turbostaat spielen auch, das wird sicher ein schönes Wiedersehen!

Peter: Bela B?

Thomas: Béla Réthy?

Peter: Diese WM aber auch!

 

Hört hier direkt das neue Album der Beatsteaks:

 

 

 

 

 

Douglas Dare: „Douglas singt unentwegt während des Unterrichts!”


Spotify Office Session

Schon der Soundcheck zur Office Session lässt uns in Verzückung geraten: Douglas Dare sitzt kerzengerade hinter seinem Piano und erfüllt den Raum mit einer traurigen Melodie und seiner wunderschönen, zerbrechlichen Stimme. „Let me read again, the letters that you’ve sent”, haucht er ins Mikrofon, bevor er ein herzergreifendes  „Caroline wrote to me every day” anstimmt und den Anwesenden der Atem stockt. Wir stellen uns darauf ein, einen melancholischen Künstler zu treffen. Als wir uns wenige Minuten später gemeinsam auf die Couch setzen, sind wir erstaunt: Douglas Dare ist eine Frohnatur, lacht viel und erzählt amüsante Anekdoten aus seiner Kindheit:

Warst Du ein guter Schüler?

Ich sang sehr oft in der Klasse und wurde deshalb zurechtgewiesen. Einmal musste ich sogar einen Brief mit nach Hause nehmen in dem stand: „Douglas singt unentwegt während des Unterrichts!” Besonders in Lebensmitteltechnologie war mir so langweilig, dass ich häufig lauthals los sang, bis meine Schulkameraden und Lehrer genervt von mir waren. Manchmal schlich ich mich auch aus der Klasse, um in das Musikzimmer zu gehen.

Warum?

Ich spielte in jeder freien Sekunde Klavier. Deshalb war ich nie mit den anderen Kindern auf dem Spielplatz. Manchmal besuchten mich Freunde, wir sangen gemeinsam und gründeten sogar unseren eigenen Musikclub. Wenn ich darüber nachdenke, dann aß ich sogar mein Mittagessen im Musikzimmer. Damals komponierte ich Instrumentalmusik, erst später schrieb ich richtige Songs, mit 18 dann, als ich auf die Musikuniversität in Liverpool ging.

„Caroline” ist ein herzzerreißendes Lied über eine unerfüllte Liebe. Ist es autobiographisch inspiriert?

Die Geschichte ist komplett erfunden. Jemand findet längst vergessene Briefe und erinnert sich an eine junge Frau namens Caroline, die er geliebt hat. Es geht in dem Song darum, sich an diese verlorene Liebe zu erinnern. Für mich ist „Caroline” ein Schlüsselsong, er veranschaulicht meine Entwicklung als Songwriter und Geschichtenerzähler.

Du erzählst Geschichten, die zum Teil weit in der Vergangenheit liegen. Schmökerst Du in dicken Historienwälzer, um Dir Inspiration zu holen?

In unserer Generation ist das Internet ein nicht versiegen wollender Quell an Informationen. Manchmal entzünden aber auch Filme, Dokumentationen und Zeitungsartikel ein Interesse in mir. Oder aber ein Ausstellungsplakat, wie es bei meinem Song „London’s Rose” der Fall ist. Es hing in der U-Bahn und ich war sofort angetan. Nachdem ich die Ausstellung gesehen hatte, schrieb ich den Song über die Londoner U-Bahn, die während des Zweiten Weltkrieges als Luftschutzbunker verwendet wurde.

Stimmt es, dass Du Tür an Tür mit PJ Harvey gewohnt hast?Douglas_Dare_01

Dort, wo ich aufgewachsen bin, bedeutet „Tür an Tür” ein paar Kilometer weiter auf der nächsten Farm. Wir hatten keine direkten Nachbarn, aber Polly Jean lebte die Straße hoch. Erst auf der Universität wurde mir ihre internationale Berühmtheit vor Augen geführt. Dabei traf ich sie doch im Supermarkt, wenn sie Milch kaufte… Es inspirierte mich, dass jemand aus dem selben Bauerndorf wie ich in die Welt hinausgezogen war, um erfolgreich Musik zu machen.


Was war die erste Platte, die Du Dir gekauft hast?

Mit acht besorgte ich mir von meinem Taschengeld eine Kassette von Burt Bacharachs Greatest Hits. Das war damals das einzige, was ich mir leisten konnte. Erst eine gefühlte Ewigkeit später bemerkte ich, was für eine großartige Platte das war. Mein erster gezielter Kauf war ColdplaysParachutes”. Nachdem ich „Trouble” und „Yellow” im Radio gehört hatte, wollte ich dieses Album unbedingt besitzen.

Und was war die schlechteste Platte, die Du Dir jemals gekauft hast?

(überlegt lange, druckst herum)  Da fällt mir schon eine ein, aber ich möchte hier niemanden vor den Kopf stoßen, der den Künstler oder die Platte toll findet. Ich gehe oft in meinen lokalen Plattenladen und hole mir neue Alben, manche davon sind weniger gut. Ein Guilty-Pleasures-Album ist das von Aqua. Es ist schrecklich, aber macht irgendwie auch Spaß.

Du wirst im Sommer einige Festival-Shows spielen. Freust Du Dich darauf?

Ich liebe Festivals und würde gerne noch mehr davon spielen. Viele Jahre war ich als Besucher auf Festivals. Als ich plötzlich als Künstler gebucht wurde und Backstage durfte, war das ein riesen Spaß.

Welche Backstage-Begegnung ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Wir spielten auf dem Phil Day Festival in London und ich traf James Blake. Das war zu einem Zeitpunkt, als er gerade so richtig durchstartete. Er ist total groß und ich bin ziemlich klein. Ich erinnere mich daran, dass mir das ein bisschen peinlich war. (lacht)

Die letzte Frage stellen wir fast immer: Was ist Dein Lieblingsgeräusch?

Ich liebe das Geräusch, wenn ein Auto über Kies fährt.

Vielen Dank, Douglas, wir freuen uns sehr auf Deine Spotify Session!

 

GusGus: Back to the 80s

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GusGus gelten als Veteranen der elektronischen Tanzmusik. 1995 in Reykjavik gegründet, veröffentlichte die Band auf verschiedenen Indie-Labels und mit wechselnder Besetzung acht Alben. Heute erscheint auf dem Kölner Elektro-Label Kompakt Album Nummer neun: „Mexico”. Die Isländer erwecken darauf die Achziger zu neuem Leben. Birgir „Biggi” Pórarinsson, der für den Sound der Band verantwortlich ist, verriet uns mehr über die neue Platte und stellte zwei Playlists mit seinen größten musikalischen Einflüssen zusammen.

Hi Biggi, was genau ist Deine Aufgabe in der Band GusGus?
Ich bin Produzent. Falls mal absolute Not am Mann ist, kann ich auch ein paar Vocals singen, aber normalerweise hämmere ich die Tasten meines Keyboards. Dieses ist entweder mit einem Modular Synthesizer oder mit Drum Samples verbunden. Gemeinsam mit meinen Freunden arrangieren wir aus dem „Gehämmere” dann Songs.

Wenn Euer neues Album „Mexico” eine Landschaft wäre, wie sähe diese aus?
Wie der Berg Esja, der sich über meiner Heimatstadt Reykjavik erhebt. Ich kann mich nicht an ihm sattsehen. Jedes Mal, wenn ich ihn anblicke, entdecke ich neue Details.

Euer letztes Album, „Arabian Horse”, wurde in einem kleinen Landhaus in einer isländischen Lavawüste aufgenommen. Wurde das für „Mexico” auch in Anspruch genommen?
Ja, einen Teil des Albums produzierten wir in diesem kleinen Ferienhaus im isländischen Hochland. Die Basis der Songs „Crossfade”, „Sustain” und „Another Life” entstand dort. Fertiggestellt wurden sie, wie alle anderen Nummern auch, in unserer wundervollen Heimatstadt Reykjavik. Zwei Tracks auf dem Album entstanden aus zehn Jahre alten Demos.

Was ist Dein Lieblingssong auf dem Album?
Das ist der Song „Sustain”. Ich bin sehr vom New Wave Sound der frühen 80er beeinflusst, das spiegelt sich in dieser Nummer wider. Sie klingt so, als hätte damals jemand vergessen, sie zu schreiben. Aber eigentlich sind alle Lieder auf dem Album meine Lieblingssongs. Mein einziges Ziel ist es, immer wieder mein nächstes Lieblingsalbum zu schreiben.

Nächstes Jahr feiert die Band ihr 20-jähriges Jubiläum. Hattet Ihr von Anfang an die Vision eines Projekts mit Geschichte und Tradition?
Wir hatten absolut keine Vision. Meine Kumpels und ich waren viel zu sehr damit beschäftigt unsere Musik weiter zu entwickeln und haben uns nicht mit der Frage beschäftigt, wo wir unsere Band in 20 Jahren sehen.

Was ist der beste Weg, um Jubiläen zu feiern?
Ein Negroni, oder vielleicht auch zwei davon.

In Eurem Pressetext steht, Euer neues Album sei „ein weiterer Schritt in die Zukunft hymnischen Pops.” Was ist die beste Pophymne aller Zeiten?
Uff…. das ist ganz schön schwer, es gibt viel zu viel großartiges Zeug da draußen. Jedes Jahrzehnt ist vollgepackt mit atemberaubend guter Musik, die auch heute noch Relevanz hat. Aber lass mich nachdenken: Eine Pophymne braucht auf jeden Fall eine gleichförmige Bass Drum, Percussion, die Laune macht, eine funky Bass Line, eingängie Synthies, einen homosexuellen Sänger und dumme Texte über Liebe. Das trifft alles auf „Lady of Ice” von Fancy zu.

Du hast mit „My Way to Early Influences” und „Early Influences” zwei tolle Playlisten kompiliert, die mit uns in die 80er Jahre zurückreisen.
Ich habe in den Tiefen Spotifys nach meinen frühen musikalischen Einflüssen gegraben und ihnen in meinen Playlists neues Leben eingehaucht.

Was ist Dein Lieblings-Geräusch?
Das Brummen meines ARP 2600 Synthesizers.

In Folge erklärt Biggi für normale Menschen völlig unverständliche Dinge von „Lin FM Eingängen” und „Ring Mods”. Jedes Geräusch motiviert ihn zu neuen Soundexperimenten. Einige tolle Resultate dieser Experimente gibt es auf dem neuen Album namens „Mexico” zu hören.

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