Douglas Dare: „Douglas singt unentwegt während des Unterrichts!”


Spotify Office Session

Schon der Soundcheck zur Office Session lässt uns in Verzückung geraten: Douglas Dare sitzt kerzengerade hinter seinem Piano und erfüllt den Raum mit einer traurigen Melodie und seiner wunderschönen, zerbrechlichen Stimme. „Let me read again, the letters that you’ve sent”, haucht er ins Mikrofon, bevor er ein herzergreifendes  „Caroline wrote to me every day” anstimmt und den Anwesenden der Atem stockt. Wir stellen uns darauf ein, einen melancholischen Künstler zu treffen. Als wir uns wenige Minuten später gemeinsam auf die Couch setzen, sind wir erstaunt: Douglas Dare ist eine Frohnatur, lacht viel und erzählt amüsante Anekdoten aus seiner Kindheit:

Warst Du ein guter Schüler?

Ich sang sehr oft in der Klasse und wurde deshalb zurechtgewiesen. Einmal musste ich sogar einen Brief mit nach Hause nehmen in dem stand: „Douglas singt unentwegt während des Unterrichts!” Besonders in Lebensmitteltechnologie war mir so langweilig, dass ich häufig lauthals los sang, bis meine Schulkameraden und Lehrer genervt von mir waren. Manchmal schlich ich mich auch aus der Klasse, um in das Musikzimmer zu gehen.

Warum?

Ich spielte in jeder freien Sekunde Klavier. Deshalb war ich nie mit den anderen Kindern auf dem Spielplatz. Manchmal besuchten mich Freunde, wir sangen gemeinsam und gründeten sogar unseren eigenen Musikclub. Wenn ich darüber nachdenke, dann aß ich sogar mein Mittagessen im Musikzimmer. Damals komponierte ich Instrumentalmusik, erst später schrieb ich richtige Songs, mit 18 dann, als ich auf die Musikuniversität in Liverpool ging.

„Caroline” ist ein herzzerreißendes Lied über eine unerfüllte Liebe. Ist es autobiographisch inspiriert?

Die Geschichte ist komplett erfunden. Jemand findet längst vergessene Briefe und erinnert sich an eine junge Frau namens Caroline, die er geliebt hat. Es geht in dem Song darum, sich an diese verlorene Liebe zu erinnern. Für mich ist „Caroline” ein Schlüsselsong, er veranschaulicht meine Entwicklung als Songwriter und Geschichtenerzähler.

Du erzählst Geschichten, die zum Teil weit in der Vergangenheit liegen. Schmökerst Du in dicken Historienwälzer, um Dir Inspiration zu holen?

In unserer Generation ist das Internet ein nicht versiegen wollender Quell an Informationen. Manchmal entzünden aber auch Filme, Dokumentationen und Zeitungsartikel ein Interesse in mir. Oder aber ein Ausstellungsplakat, wie es bei meinem Song „London’s Rose” der Fall ist. Es hing in der U-Bahn und ich war sofort angetan. Nachdem ich die Ausstellung gesehen hatte, schrieb ich den Song über die Londoner U-Bahn, die während des Zweiten Weltkrieges als Luftschutzbunker verwendet wurde.

Stimmt es, dass Du Tür an Tür mit PJ Harvey gewohnt hast?Douglas_Dare_01

Dort, wo ich aufgewachsen bin, bedeutet „Tür an Tür” ein paar Kilometer weiter auf der nächsten Farm. Wir hatten keine direkten Nachbarn, aber Polly Jean lebte die Straße hoch. Erst auf der Universität wurde mir ihre internationale Berühmtheit vor Augen geführt. Dabei traf ich sie doch im Supermarkt, wenn sie Milch kaufte… Es inspirierte mich, dass jemand aus dem selben Bauerndorf wie ich in die Welt hinausgezogen war, um erfolgreich Musik zu machen.


Was war die erste Platte, die Du Dir gekauft hast?

Mit acht besorgte ich mir von meinem Taschengeld eine Kassette von Burt Bacharachs Greatest Hits. Das war damals das einzige, was ich mir leisten konnte. Erst eine gefühlte Ewigkeit später bemerkte ich, was für eine großartige Platte das war. Mein erster gezielter Kauf war ColdplaysParachutes”. Nachdem ich „Trouble” und „Yellow” im Radio gehört hatte, wollte ich dieses Album unbedingt besitzen.

Und was war die schlechteste Platte, die Du Dir jemals gekauft hast?

(überlegt lange, druckst herum)  Da fällt mir schon eine ein, aber ich möchte hier niemanden vor den Kopf stoßen, der den Künstler oder die Platte toll findet. Ich gehe oft in meinen lokalen Plattenladen und hole mir neue Alben, manche davon sind weniger gut. Ein Guilty-Pleasures-Album ist das von Aqua. Es ist schrecklich, aber macht irgendwie auch Spaß.

Du wirst im Sommer einige Festival-Shows spielen. Freust Du Dich darauf?

Ich liebe Festivals und würde gerne noch mehr davon spielen. Viele Jahre war ich als Besucher auf Festivals. Als ich plötzlich als Künstler gebucht wurde und Backstage durfte, war das ein riesen Spaß.

Welche Backstage-Begegnung ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Wir spielten auf dem Phil Day Festival in London und ich traf James Blake. Das war zu einem Zeitpunkt, als er gerade so richtig durchstartete. Er ist total groß und ich bin ziemlich klein. Ich erinnere mich daran, dass mir das ein bisschen peinlich war. (lacht)

Die letzte Frage stellen wir fast immer: Was ist Dein Lieblingsgeräusch?

Ich liebe das Geräusch, wenn ein Auto über Kies fährt.

Vielen Dank, Douglas, wir freuen uns sehr auf Deine Spotify Session!