Leslie Clio im Interview

Leslie ClioAn einem heißen Sommertag im Juli gab sich Leslie Clio die Ehre und besuchte uns zusammen mit Gitarrist Dennis Becker und Drummer Max Schroeder im Berliner Spotify-Büro. Ein kleines, feines Akustik-Set folgte, bevor Leslie uns Frage und Antwort stand.

“Such a good drama” ist eine Zeile aus “I couldn’t care less“. Bist du eine Drama Queen? Ist Drama etwas, das dein Leben bestimmt?
Doch, ja, ich mag es schon dramatisch. Ich ziehe das Drama nicht an – ich mach einfach manchmal Drama, aber im positiven Sinne. Es gibt ein bisschen mehr Schwung, wenn man von sich aus ein bisschen Drama reinpackt. Der Begriff ist allerdings oft negativ behaftet, gerade „Drama Queen“. Es heißt bloß, dass ich große Gesten und große Gefühle durchaus schätze.

Du bist mit einer Truppe von Männern als Band auf Tour. Ist das schwierig, so in einem kleinen Van? Fangen die nicht irgendwann an zu riechen?

Jungs riechen ja sowieso, Van oder nicht Van, aber ich hab noch ein Mädchen dabei, das riecht immer gut und achtet drauf, dass mein Gesicht sitzt.

Du hast dein Album „Gladys“ zusammen mit Nikolai Pothoff geschrieben und aufgenommen, dem Bassisten vom Tomte. Da erwartet man spontan musikalisch etwas anderes als ein lupenreines Pop-Album.
Soul-Pop! Ich würde es nicht als Pop-Album bezeichnen. Man erkennt einen guten Song daran, dass er ins Ohr geht und hooky ist, aber die Instrumentierung ist nicht poppig. Deshalb ist es Soul-Pop. Ich spiele gerne akustisch, weil es reiner und rauer ist. Ab und zu hört man dann ein Husten oder so, aber das ist das, was ich an Musik liebe, und versucht habe auch auf dem Album so viel wie möglich draufzulassen. Dieses Echte, Kantige, nicht so Glatte ist das, was ich eben an alter Musik so schätze

Was hat dich musikalisch geprägt?
Ich hör sehr viel alte Musik: Soul-Sachen, Ma Rainey, John Lee Hooker, Little Water, und diese ganzen Motown-Sachen auch.

Aus der Bravo kommt das ja nicht. Wer hat diese Musik in dein Leben gebracht?

Ich selber. Ich glaube, manche Dinge werden energetisch geleitet und es hat mich da immer hingezogen. Das war einfach meins.

Bist du schicksalsgläubig? Dass Dinge passieren, wenn sie passieren sollen?
Ich glaube daran, dass man durch Glaube Berge versetzen kann, und dass alles möglich ist, wenn man daran glaubt.

Wann hast du gewusst, du willst Sängerin werden und auf der Bühne stehen?

Schon immer! Deswegen hab ich mich auch nicht so gestresst. Ich hab mein Abi gemacht und bin dann erstmal easy-peasy zwei Jahre reisen gegangen, weil ich wusste, da gibt’s nen Weg, das wird alles. Ich hab mir nie groß Sorgen gemacht.

Und wie ist es jetzt, Teil des Pop-Zirkus zu sein? Du bist bei einer großen Plattenfirma, hast durchgestylte Videos etc. Ist das nicht alles etwas absurd, wenn man da neu reinkommt?

Absurd finde ich es gar nicht, es ist einfach interessant, weil es natürlich etwas ist, das man sich so nicht ausmalt, wenn man Lieder schreibt und durch die Welt spaziert und singen will. Das war etwas, wo ich letztes Jahr komplett ins kalte Wasser geschmissen wurde und jeden Tag dazulerne, weil alles neu ist. Insofern bin ich happy. Ich wurde total oft gefragt: „Lässt du dich nicht verbiegen? Und wurdest du schon… Und musstest du…?“ Dann denk ich mir: Nee, und den Schuh zieh ich mir auch gar nicht erst an. Wichtig ist, dass ich ich selbst bleibe. Mehr muss ich doch gar nicht wissen. Ich mache, was ich liebe und was wahr ist, gewinnt. Der Künstler kreiert seine Kunst und die Plattenfirma setzt das in einen Rahmen. Manche Dinge funktionieren gut, so, wie sie funktionieren.

Du sammelst ständig Ideen für Songs. Wie kann man sich das vorstellen? Hast du immer ein Büchlein dabei oder singst du in dein Handy rein?
Ich hab ein iPhone, das ist für alles da. Memos sind grundsätzlich super für Melodien. Und dann mach ich mir noch Notizen, wobei ich das auch nervig finde, weil ich mich immer vertippe. Ich hab auch noch ein Buch, wo ich immer Sachen reinschreibe. Und meine Handgelenke.

Wie wichtig ist dir deine Online-Welt?

Noch nicht so wichtig. (lacht) Das ist etwas, wonach ich von Natur aus erstmal gar nicht das Bedürfnis habe. Das ist ein kompletter Zweig dieses Berufes, der neu dazugekommen ist. Aber es macht auch total Spass, manchmal bin ich nur gerne einfach offline.

Wäre es dir lieber, es wäre noch wie in den 60ern? Du konzentrierst dich auf deine Musik und nicht auch noch um das ganze mediale Drumrum?
Es ist, wie es ist. Es ist 2013, es wird nie 1960 oder 1970 sein. Musikalisch träume ich mich auf jeden Fall manchmal in diese Zeit, aber trotzdem bin ich eine Künstlerin, die jetzt 2013 das hier macht – und das gehört eben dazu. Solange mir niemand sagt, ich muss jeden Tag mein Essen fotografieren, ist doch alles gut. Es macht ja auch Spass! 

Und was glaubst du, wohin geht’s noch 2013?
To the top, Johnny!

Und mit diesem Mantra der Beatles wünschen wir Leslie viel Erfolg auf dem Weg nach oben!

Hört hier die Live-Aufnahmen der Spotify Office Session mit Leslie Clio: