S O H N: Newcomer der Stunde

SOHNEs ist Sonntagnachmittag, die Glocken der St. Clara Kirche in Berlin-Neukölln läuten zum Abendgottestdienst. S O H N sitzt in einen schwarzen Umhang gehüllt auf einer Bierbank und durchforstet die Speisekarte des Café Rix. In wenigen Stunden wird er nebenan, im restlos ausverkauften Heimathafen, ein Konzert spielen. Draußen auf der Karl-Marx-Straße parkt ein schwarzer Nightline. „Der Bus hat 14 Betten und zwei Lounges”, erzählt S O H N und entscheidet sich für die Kartoffel-Gnocchi (gute Wahl!). Davor waren Rihanna und Drake damit auf Tour, die anfangs fühlbare sexuelle Energie verschwand aber innerhalb eines Tages.

Der Sänger und Produzent S O H N ist einer der derzeit angesagtesten Acts und wird als Newcomer der Stunde gefeiert. Über seine Biografie ist nur wenig bekannt. Immerhin weiß man, dass er die letzten Jahre in Wien gelebt hat und ursprünglich aus Südlondon stammt. Im August 2012 entließ er den Track „The Wheel” in die digitale Welt und von da an ging es auf der Karriereleiter steil bergauf. Kürzlich erschien sein mit viel Vorschlusslorbeeren bestücktes Debütalbum „Tremors”.

Du wünscht Dir von „Tremors”, dass es bei den Hörern Erinnerungen erzeugt. Wenn Du an durch Musik hervorgerufene Flashbacks denkst, welches Album kommt Dir in den Sinn?

Paul Simon mit „The Rhythm Of The Saints”… [mit geschlossenen Augen, sehr konzentriert]… Ich bin im fünften Stockwerk, irgendwo in Camden, ich schaue über die Straßen, rauche eine selbstgedrehte Zigarette von meinem besten Freund und trinke Earl Grey Tee.

„The Wheel” war das erste Lebenszeichen von S O H N und ging ziemlich durch die Decke. Wusstest Du im Studio schon, dass Du dabei warst, etwas Großes zu produzieren?

Nein, nicht im Geringsten! Eigentlich war es genau das Gegenteil: Als ich „The Wheel” geschrieben habe, war ich davon überzeugt, dass das wohl eher das Ende meiner Musikkarriere bedeutet als den Anfang. Ich habe mir nicht gedacht: „Scheiße, das wird groß!” sondern eher: „Okay, es interessiert ja sowieso niemanden mehr.”

Und plötzlich schien es, als würde sich die gesamte Musikindustrie bei Dir melden. Wie hat sich das angefühlt?

Das hat sich damals sehr gut angefühlt. Zum Glück hatte ich einen Manager an meiner Seite, der sich darum gekümmert hat – ich habe keine einzige dieser Nachrichten gelesen.

Du hast in den letzten Jahren in Wien gelebt, jetzt verbringst du viel Zeit im Tourbus und in diversen Tonstudios auf der ganzen Welt. Gibt es noch einen Ort, den Du Deine Homebase nennst?

Wien ist schon ein Ort, an den ich immer zurückkehren kann, aber ich würde es jetzt nicht mehr als Homebase bezeichnen. Im Moment arbeite ich von überall, ich bin sozusagen heimatlos – oder auch an vielen Orten zu Hause.

Zum Beispiel Los Angeles, wo Du ein paar Wochen lang mit Banks geschrieben und produziert hast. Wenn Du für andere Künstler schreibst, denkst Du dann manchmal: „Diese Idee ist so großartig, die behalte ich lieber für S O H N”?

Das ist nur einmal passiert und war auch, bevor ich die Idee noch jemandem gezeigt hatte. Die Songs, die ich für andere Künstler schreibe, könnten niemals meine sein – ich schreibe mit ihren Stimmen in meinem Kopf.

Stimmt es, dass Du deinen JUNO Synthesizer, Deinen Drumcomputer und ein altes Notebook zu jeder Songwriting Session schleppst?

[lacht] Ja, obwohl sonst niemand so arbeitet. Normalerweise bringen Songwriter fertige Tracks zu einer Session mit und ich kreuze mit dem JUNO Synthesizer auf meinen Schultern und dem Drumcoputer unterm Arm auf und sage: „Hallo, wie geht’s? Können wir das einstecken?”. Ich glaube, dass mich manche Menschen als exzentrisch erachten.

Deinen Kleidungsstil könnte man auch als exzentrisch bezeichnen. Ist die Kapuze eigentlich eine Art Schutzschild?

Mein Outfit hat eine Doppelfunktion: Einerseits dient es dem Schutz und der Verteidigung, andererseits fällt man aus der Reihe und erzeugt Aufmerksamkeit. Man kann sich also gar nicht dahinter verstecken. Ich ziehe mich jeden Tag so an und mag das Ritual, das damit verknüpft ist. Es erinnert mich daran, wer ich bin und daran, mir treu zu bleiben. Bevor das alles passiert ist und ich noch kein ausgeprägtes Gefühl für mich selbst hatte, war ich eine sehr sprunghafte Person. Jetzt ist es so, dass ich mich selbst daran erinnere, beständig zu bleiben.

Vielen Dank, S O H N, hat Spaß gemacht mit Dir!

 

 

I HEART SHARKS: Hymnen aus der Hauptstadt

„Anthems” heißt das neue Album der drei Wahlberliner und der Titel passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Wir haben Pierre und Simon von I Heart Sharks zum Interview getroffen, um mehr über ihre neue Platte in Erfahrung zu bringen.

I Heart SharksI Heart Sharks sind eine Band am Puls der Zeit. Die drei Bandmitglieder kommen ursprünglich aus London, New York und Bayern, haben sich im Berghain kennengelernt und setzen auf Elektropop mit Pathos. Von „urbaner Lyrik” ist die Rede, als „musikalische Personifizierung des typischen Berliner Stils” oder gar als „hipster Propheten” werden sie bezeichnet. Eine vielleicht zu eindimensionale Darstellung, die dieser Band nicht ganz gerecht wird. Klar, ihr adrettes Äußeres ist durchaus clubtauglich und ihr Sound trendy, aber hey, diese Band hat bedeutend mehr zu bieten als das vermeintlich Offensichtliche. I Heart Sharks sind drei Vollblutmusiker, die seit vielen Jahren mit viel Herzblut und einer klaren Vision an ihrem Stil und dem, was ihre Band ausmacht, feilen. Wir haben Sänger Pierre Bee und Gitarrist/Keyboarder Simon Wangemann zum Interview gebeten und zwei sehr sympathische Musiker kennengelernt.

Ihr habt Euch als Selfmade-Indie-Band einen Namen gemacht und euer Debütalbum „Summer” durch Crowdfunding finanziert. „Anthems” ist jetzt bei einem finanzstarken Label veröffentlicht worden. War das eine große Umstellung oder ein ganz natürlicher Prozess?

Pierre: Wir sind noch immer sehr autonom. Der Tag, an dem wir unseren Plattenvertrag unterschrieben haben, war sehr unspektakulär. Wir saßen in unserem Studio an einem Tisch und ob man es glaubt oder nicht: Es hat sich nichts verändert, wir haben genauso weitergemacht wie bis dahin! Wir sind nach wie vor selbst für unsere Musik, die Videos und das Artwork zuständig.

Simon:  Nachdem wir das erste Album fertig hatten und eineinhalb Jahre auf Tour waren, stand die Überlegung im Raum: Wollen wir das nochmal so machen, mit Crowdfunding und einem kleinen Budget, oder wollen wir mal wirklich härter daran arbeiten, etwas Neues machen und größer herauskommen? Das mit dem Majorlabel hat sich dann so ergeben.

Das Album wurde von Joseph Cross produziert, der unter anderem mit Hurts und Chlöe Howl gearbeitet hat. Simon, Du bist auch Musikprodzent, war das eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe?

Simon: Klar hat er seine Referenzen und bevor wir uns persönlich kennengelernt haben, dachten wir schon: Dem müssen wir mit Respekt begegnen, der hat sich verdient gemacht. Nach kurzer Zeit haben wir Joseph aber schon als zusätzliches Bandmitglied gesehen. Wir waren alle gleichberechtigt und hatten dieselben Ideen. Er war nicht so, dass er mit seinen Regeln und Konventionen angekommen ist…

Pierre: Kein Ego-Zeug! Wir haben gemeinsam darauf geachtet, dass auf dieser Platte jede Sekunde etwas Spannendes passiert.
Simon: Die Regel „Leave your ego at the door!” war allgegenwärtig.  Nur, weil das Josph Cross ist, heißt das nicht, dass man nicht sagen kann: „Der Basslauf klingt blöd.” Es gab keine starre Rollenverteilung im Studio.

Eure Einflüsse sind sehr 80er-lastig: Kraftwerk, David Bowie, The Cure… Welche aktuellen Bands inspirieren Euch?

Pierre: Prince macht noch Musik, oder? Er wird für immer Musik machen. Ich liebe Prince, er ist auf unserer Platte rauszuhören. Ich mag es, wie er die Wörter verbiegt und seine Art zu singen ist einfach einzigartig. Friendly Fires finden wir toll, weil ihre Texte – wenn man genau hinhört – sehr kitschig sind. Sie werden als Indie-Band gesehen und man denkt nicht daran, dass sie eigentlich eine totale Pop-Band sind. Abseits der Musik interessieren mich Filme. Auf „Anthems” erzähle ich Geschichten, die von Filmen inspiriert sind.

Gibt es einen Regisseur, den Du besonders schätzt?

Pierre: Lustigerweise haben mir mit Kaspar Winding eine Nummer geschrieben, die „Drive” heißt. Als das Lied schon fertig war kam heraus, dass sein Bruder Nicolas der Regisseur von dem Film „Drive” ist. Er hat auch „Only God Forgives” gemacht, wobei ich dessen Story nicht so toll finde. Aber die Farben und die Lichter sind großartig, er hat einen ganz eigenen Stil.
 
Euer Video zu „To Be Young” erzählt die Geschichte eines alten Liebespaares. Was ist Euch näher: Das Konzept von Lebensabschnittspartnern oder das der immerwährenden Liebe?

Pierre: Unsere Eltern sind noch zusammen. Ich glaube wir haben beide dieses idyllische Bild davon, jemanden zu finden, mit dem man für immer zusammen bleibt. Das ist doch süß, finde ich. Bei mir klappt es nicht so. Für mich war wichtig, das Video sehr cineastisch zu machen, damit die Essenz des Songs zu spüren ist.

Am 24. April beginnt eine Tour, die Euch in die größten deutschsprachigen Städte bringen wird. Funktionieren I Heart Sharks besser im urbanen Raum als vor der Dorfjugend?

Pierre: Wir haben sehr oft in Dörfern gespielt, in Clubs, die keine wirklichen Clubs waren. In alten Fabrikhallen, zum Beispiel, wo wir vor dem Gig zusammen mit dem Veranstalter noch schnell eine Bühne aufgebaut haben. Das ist eine sehr essentielle Sache, die wir nicht verlieren sollten. Konzerte im kleinen Rahmen können wirklich Angst machen, wenn das Publikum so nahe an uns dransteht (hält sich die Hand direkt vor sein Gesicht). Wir werden im Herbst noch eine Tour spielen und würden uns freuen, wieder in kleinen Clubs in Dörfern aufzutreten. Die Musik, die wir jetzt machen, ist viel eingängiger und nicht so düster und technobasiert wie die erste. Ich denke, dass diese Platte besser verstanden wird.

 

 

 

 

Arthur Beatrice: „Berlin ist interessanter als London.”

Arthur Beatrice_2Letztes Jahr ging ein Jubelschrei durch die Blogger-Szene: Arthur Beatrice hätten das Zeug, die nächsten The XX zu werden, hieß es.Eine gewisse stilistische Ähnlichkeit mit ihren Landsleuten ist dem Quartett aus London nicht abzusprechen: Viele ihrer Songs leben von dem Zusammenspiel aus männlichen und weiblichen Vocals.

Die Musik von Arthur Beatrice ist aber weniger düster und setzt mehr auf große Pop-Momente. Ihr Debütalbum, „Working Out”, ist ein Querschnitt der Bandgeschichte: „Einige Songs darauf sind wirklich alt.”, erzählt Orlando Sheppard, der für das Songwriting zuständig ist und sich gemeinsam mit Ella Giardot den Gesangspart teilt. „Wir haben über einhundert Songs geschrieben – in einem Zeitraum von zehn Jahren”, führt Bassist Hamish Barnes fort. Er und sein Bruder Elliot bilden die Rhythmussektion von Arthur Beatrice. Ich schaue ihn ungläubig an: Zehn Jahre macht ihr schon zusammen Musik? Das kann ich doch gar nicht glauben! Hamish nickt belustigt und meint: „Doch, doch… wir haben sehr früh angefangen. Als wir unsere ersten Songs geschrieben haben, waren wir zwischen 12 und 14 Jahre alt. Wir hatten aber nie Ambitionen, das mit der Musik auf einem professionellen Niveau zu betreiben. Die Band war vielmehr ein Grund, zusammen Zeit zu verbringen.” Nachdem sie ihre Schule, in deren Keller sich ihr Proberaum befand, verlassen hatten, zogen Arthur Beatrice nach London. Dort konzentrierten sie sich darauf, ihren eigenständigen Sound zu entwickeln. Der erste wirklich relevante Song, den sie geschrieben hätten, sei ihre Single „Midland”, sagt Orlando. 

Ein weiterer Track, der als Single ausgekoppelt wurde, ist „Grand Union”. „It’s so devastating when you feel you’re all above and you’re not in love”, lautet der Refrain. Im zugehörigen Video zieht die Band in einen wunderschönen Altbau, richtet sich schön ein, nur, um kurz darauf wieder die Zelte abzubrechen. Ist das symptomatisch für unsere Generation, sich nie mit etwas zufriedengeben zu können und immer nach mehr zu streben? „Das ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, das Video zu interpretieren”, antwortet Hamish, „In London ziehen die Menschen zwischen 20 und 30 dauernd um, weil der Wohnraum so teuer ist.” Orlando fügt hinzu: „Dieses Prinzip kann man auf viele Dinge anwenden, auf Orte, zum Beispiel. Wenn wir in Berlin oder in Paris sind, denkt man sich: Das ist alles so wundervoll. Zu Hause ist man immer von denselben Dingen umgeben und daran gewöhnt. Wenn mich jemand fragt, was man sich in London unbedingt ansehen soll, hätte ich wirklich Probleme, diese Frage zu beantworten. Berlin und Paris erscheinen viel interessanter.” „Oft resultiert Zufriedenheit auch aus Sicherheit”, klinkt sich Ella ein, „viele Universitätsabgänger in England finden keinen Job mehr. Das war in der Generation meiner Eltern anders – die haben sich mit 25 ihr Haus gekauft.”

Eine derartige Lebensplanung käme für die vier Mittzwanziger ohnehin nicht in Frage. Sie haben gerade ihre erste US-Tour hinter sich und konzentrieren sich erstmal vollends auf die Band. Einen Soundtrack würden sie gerne schreiben, erzählen sie mir und Orlando äußert den Wunsch, sich zukünftig mehr mit Filmen zu beschäftigen: „Kürzlich haben wir uns „Her” angesehen, dafür hätte ich gerne den Soundtrack gemacht.” „Ich mag es, wenn Bands den Soundtrack für einen ganzen Film schreiben, Flash Gordon von Queen war großartig und es klang gar nicht nach Queen”, meint Hamish. „Was? Das klang total nach Queen!”, neckt ihn Orlando. „Gar nicht, das war nur wegen Freddy Mercurys Stimme so.”

Man solle sich „Working Out” übrigens in ruhiger Atmosphäre und ohne große Ablenkung anhören, geben sie mir abschließend als Wunsch mit auf den Weg. Egal, ob an einem Strand in Hawaii oder im eigenen Wohnzimmer.

 

 

 

 

Kylie Minogue: „Sex, Sex, Sex!”

Kylie Minogue – DIE Kylie Minogue – war kürzlich, ganz wahrhaftig und absolut real, zu Besuch im Londoner Büro. Nachdem sie eine Office Session aufgenommen hatte, plauderte sie mit uns über ihr neues Album, Hotpants und Dauerwellen.

Kylie_SpotifySessionDie männliche Kollegenschaft konnte ihr Glück kaum fassen und die weibliche war ebenso hingerissen, als Kylie Minogue die Bühne des Londoner Spotify Büros betrat. Elfengleich stand sie da, atmete einmal tief ein und dann performte sie gemeinsam mit ihrer Band vier Songs: „Can’t Get You Out Of My Head”,  „Beautiful” (das auf dem Album ein Duett mit Enrique Iglesias ist), „Kiss Me Once” und ihre aktuelle Single  „Into The Blue”. Im Anschluss an ihren Auftritt stellte sich Kylie den Fragen unseres britischen Kollegen Rob, der als Teenager sehr für die schöne Blonde geschwärmt hat.

 

Hallo, Kylie, fangen wir wir mit einer einfachen Frage an: Wie hast Du die Songs für heute ausgesucht?

Ich wusste, es sollten vier sein, also entschied ich mich für einen alten und drei neue Songs. Kaum zu glauben, aber  „Can’t Get You Out Of My Head” ist zwölf oder dreizehn Jahre alt und mittlerweile ein „Oldie” – aber auch ein „Goldie”. Natürlich habe ich auch darüber nachgedacht, welche Songs akustisch funktionieren. Wir hatten auf jeden Fall sehr viel Spaß beim Proben.

Wir haben Dein neues Album näher unter die Lupe genommen: „Sexy Love”, „Sexercize” und „Les Sex” sind drei Songs darauf. Dem liegt eine subtile Botschaft zugrunde, oder?

Ja, sie lautet: Sex, Sex, Sex! Sia ist, gemeinsam mit mir, ausführende Produzentin des Albums, was für mich einen kleinen Traum wahrgemacht hat. An einem bestimmten Punkt der Produktion hatten wir unzählige Songs und dann sagte sie: „Wir brauchen mehr Sex, wir brauchen einen heißen Song.” Das nächste, an was ich mich erinnere ist, dass es „Sexy Love”, „Sexercize” und „Les Sex” gab.

Du bist Jury-Mitglied bei der Britischen Ausgabe von The Voice. Macht das eigentlich wirklich so viel Spaß, wie es zu Hause am Fernseher wirkt?

Oh, ja! Es macht extrem viel Spaß, ist aber auch sehr intensiv. Bei den Drehtagen bleibt kaum Zeit, Luft zu holen, besonders für jemanden, der nicht gerne Entscheidungen trifft: Es geht den ganzen Tag nur darum, Entscheidungen zu treffen! Man sieht in der fertig geschnittenen Show nicht, dass jeder Kandidat ein Feedback von der Jury bekommt. Manchmal kann es ganz schön anstrengend sein, sich Wege einfallen zu lassen, „Nein” zu sagen. Das sagt doch niemand gerne.

Gibt es einen speziellen Song, den Du gerne von einem der Kandidaten gehört hättest?

„Bette Davis Eyes” wäre großartig.

Was war die letzte Single, die einen “Wow”-Effekt auf Dich hatte?

Das war wohl „Happy”. Und als er mit dem Video um die Ecke kam, dachte ich mir: Jetzt hat er den Nagel noch mehr auf den Kopf getroffen.  

Und natürlich ist Pharrell auch auf Deinem Album vertreten!

Oh ja, das ist er! Auf meinem neuen Album wurden sämtliche Träume wahr. Es gibt darauf einen Song, den Pharrell für mich geschrieben und produziert hat, er heißt „I Was Gonna Cancel”, weil ich den Tag eigentlich streichen wollte. Zum Glück habe ich das nicht getan.

Mit wem würdest Du am liebsten ein Duett singen? Egal, ob tot oder lebendig…

Prince. Ich habe ihn auf der „Diamonds and Pearls”-Tour schon mal getroffen. Mein 14-jähriges Ich könnte für immer auf Wolke 7 schweben.

Vor längerer Zeit habt ihr auch einen Song zusammen geschrieben, oder?

Ja, aber wir haben nicht miteinander gesungen. Das wäre großartig, hoffentlich passiert das noch irgendwann!

Besitzt Du die goldenen Hotpants noch?

Nein, die gehören mir nicht mehr. Ich spende sehr viele meiner Kostüme an das Performing Arts Museum in meiner Heimatstadt Melbourne. Dort wird gut darauf aufgepasst: Es gibt eine Temperaturregulierung und sie dürfen nur mit weißen Handschuhen angefasst werden. Bei einer Ausstellung geriet die Geschichte allerdings ein bisschen außer Kontrolle: Die Hotpants wurden hinter kugelsicheres Glas gepackt. Ich glaube allerdings nicht, dass das wahr ist.

Vermisst Du Deine Dauerwelle eigentlich?

Also eigentlich war das gar keine Dauerwelle. Meine Haare wurden geknetet und getrocknet – mit einer ganzen Menge Fönschaum!

Was ist Dein meistgehüteter Schatz und warum?

Die Decke, die mir gehörte, als ich ein Baby war. Sie ist hellgelb, hat eine Satin-Bordüre drumherum und ist mittlerweile wahrscheinlich etwas lediert. Die Decke ist ein Erinnerungsstück, das man nie ersetzen könnte. Sie befindet sich noch immer in meinem Elternhaus.

Danke, Kylie, das war ganz toll!

Hört hier die exklusiven Aufnahmen der Spotify Session mit Kylie Minogue:

 

MØ: Kein Objekt, sondern einfach nur fucking cool!

Spricht man die junge Dame aus Dänemark eigentlich „Mooo”, „Muuu” oder „Mööö” aus? Wir haben sie gefragt. Im Interview verrät uns die Sängerin außerdem mehr über ihr Faible für die Spice Girls und warum sie Kim Gordon von Sonic Youth liebt.

spotlightMoDer Vokal „Ø” kommt im Dänischen, Norwegischen und Feröischen vor, die Aussprache variiert aber je nach Land und Dialekt. Fragt man nach der korrekten Artikulation ihres Namens, der auf Altnorwegisch „Jungfrau” heißt, lächelt sie und sagt ein schwer zu imitierendes und ebenso schwer zu verschriftlichendes Wort, das wie „Möüh” klingt. Egal, einen Versuch war es wert.

Kürzlich hat Karen Marie Ørsted ihr Debütalbum „No Mythologies To Follow” veröffentlicht. Die Kritiker erkennen unterschiedlichste musikalische Einflüsse – von Folk, Hip-Hop, R&B und lupenreinem Pop ist die Rede. Und tatsächlich, MØ mischt aus diesen Elementen ihren ganz eigenen Sound, der – und da sind sich alle einig – absolut den Puls der Zeit trifft.

 

Hey MØ! Für alle, die Dich nicht kennen: Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Ich bin eine Sängerin aus Skandinavien und mache elektronischen Indiepop gepaart mit Hip-Hop und Soul.

Du hast auch mal in einer Punkband gespielt, oder?

Ja, vor fünf Jahren. Als Kind war ich totaler Fan von Popmusik, sie war das beste überhaupt. Als Teenager stand ich dann auf Punk. Mittlerweile finde ich beides sehr gut… und Hip-Hop auch. Diese drei Genres sind meine größten Leidenschaften. Das hört man in meiner Musik.

Hast Du eigentlich abseits der Musik noch Hobbies?

Nicht in diesem Ausmaß – Musik hat mir immer dabei geholfen, mich auszudrücken und gut zu fühlen. Ich jogge viel, weil es wichtig ist, mich in meinem Körper wohl zu fühlen. Wenn man so viel zu tun hat wie ich, braucht man einen starken Körper und einen starken Kopf um mit diversen Dingen klarzukommen. Laufen sorgt für die nötigen Endorphine und ist Balsam für meine Seele.

Hörst Du Musik, wenn Du joggst?

Nein, das verträgt sich nicht mit der Musik in meinem Kopf – ich höre generell sehr wenig Musik. Wenn ich laufe, dann liebe ich die Stille und mag es, meinen Herzschlag und meinen Atem zu hören. Ich könnte mal versuchen, Musik zu hören und vielleicht würde ich es sogar mögen….

Wann und wie hast du Deinen ersten Song geschrieben?

Meinen ersten Song schrieb ich mit sieben Jahren, inspiriert von den Spice Girls. Sie waren meine größten Vorbilder und ich wollte genau so sein wie sie. Also musste das Lied auch auf Englisch sein, aber es war natürlich ziemlich beschissenes Englisch. Ich glaube nicht, dass es jemand verstehen würde. Die Nummer heiß ‘Because I Love You’ und war ein sehr, sehr schlechter Popsong. Der Refrain ging so: ‘Because I love you, oooh, because I need you, oooh’. Und die Strophe: ‘I love you, I’ve seen you in my school.’ Wow. Das ist eigentlich ziemlich peinlich…  

Überhaupt nicht! Die Spice Girls haben eine ganze Mädchengeneration beeinflusst!

Absolut. Es ging darum, dass die Mädchen untereinander zusammenhielten und sich mehr auf sich konzentrieren konnten. Ich hatte alles Spice-Girls-Barbies und sammelte auch sonst alles von ihnen. Ich weiß noch, als Geri die Band verlassen hatte, saß ich auf meinem Schreibtisch und heulte Rotz und Wasser. Ich war am Boden zerstört.

In welcher Weise möchtest Du für jüngere Mädchen ein Vorbild sein?

Heute ist mein größtes Vorbild Kim Gordon von Sonic Youth. Sie ist eine ganz großartige, coole Frau und hat Attitüde. Sie ist ziemlich tough, aber trotzdem sexy und hat eine Weiblichkeit, die ich bewundere. Sie ist so „Hey, ich bin kein Objekt, ich bin einfach nur fucking cool!”. Diese Ausstrahlung und Stärke hätte ich gerne – ich möchte keine Puppe sein, aber trotzdem feminin. Ich liebe sie.

Miss Platnum: Das neue Album „Glück und Benzin” vorab hören!

„Hab’ ‘ne Stimme aus Gold, alle warten auf den großen Erfolg, doch ich schlaf’ lieber aus.”, gesteht Miss Platnum in ihrer Single „99 Probleme”. Die Frau, die mit ihrer bestechenden Stimme schon Alben von Marteria und Peter Fox veredelte, singt jetzt auf Deutsch. Und auch, wenn ihr ein gesunder Schlaf wichtiger erscheint – der große Erfolg sei ihr von ganzem Herzen gegönnt!

Miss PlatnumRuth Renner, die rumänisch-stämmige Berlinern, begann ihre Karriere dort, wo man viele außergewöhnliche Gesangstalente antreffen kann – im Tonstudio. Irgendwann wollte sie auch selbst auf der Bühne stehen: Sie reicherte Balkan-Klänge mit fetten Beats an und schlüpfte in die Rolle der Kunstfigur Miss Platnum. Das Sinnbild einer überaus starken Frau, die sich weder um Etikette noch um gängige Schönheitsideale kümmerte – ein zweites Ich, dem eine gewisse Schutzfunktion inne wohnte.

Auf ihrem dritten Album „Glück und Benzin” distanziert sich Miss Platnum von ihrem Alter Ego: „Die alte Miss Platnum habe ich besoffen gemacht und über Board geworfen”, scherzt die 33-jährige Sängerin. – „Nein, ich habe sie nicht abgeworfen, sondern mitgenommen und aufgepeppelt. Miss Platnum ist jetzt verschmolzen mit meiner Person und es gibt die Grenzen nicht mehr, die es vorher gab.”, fügt sie hinzu.

Die Neuorientierung brachte auch einen Wechsel der Sprache mit sich, wobei die Berührungsängste mit deutschsprachigem Gesang anfangs schon recht groß waren: „Ich habe immer gesagt, ich werde nie auf Deutsch singen. Ich finde deutschen R’n’B eigentlich scheiße.

Schon alleine das war eine Herausforderung, mich selbst davon zu überzeugen, dass Deutsch singen geil ist. Das Album ist eine Weiterentwicklung, nicht nur sprachlich, sondern auch musikalisch. Es ist viel elektronischer, mehr Hip-Hop und die Balkan-Elemente sind ganz anders eingesetzt.” 

Mitgeschrieben wurde „Glück und Benzin” von ihrem Kumpel Marteria, aufgenommen vom Berliner Produzenten-Duo The Krauts. Gemeinsam schrieben und produzierten sie den #1-Hit „Lila Wolken”. Eine hitverdächtige Kombination also, doch Miss Platnum hält ihre Erwartungshaltung bewusst niedrig: „Jeder freut sich darüber, wenn man einen Hit macht. Aber wer weiß denn, was ein Hit ist? Manchmal passiert es, aber viel wichtiger ist es, wahrhaftige Musik zu machen, die zu einem selber passt und die einen bewegt. Denn dann bewegt seine Musik auch andere.”

Die Songs auf „Glück und Benzin” bewegen durchaus. Überzeugt Euch selbst: Das Album gibt es seit heute im exklusiven Pre-Stream zum Vorhören!

 

 

Karate Andi: der Boss vom Hinterhof

Er ist der selbsternannte Boss vom Hinterhof, sein bestes Stück ist angeblich so groß wie die ehemalige Sowjetunion und auf seinem Debütalbum werden die unterschiedlichsten weiblichen Wesen penetriert und diverse Substanzen konsumiert.

Karate_Andi_PressefotoBei der renommierten Freestyle-Session „Rap am Mittwoch“ wusste Karate Andi seine Battle-Gegner regelmäßig zu zerpflücken. Dort traf er auf seinen späteren Produzenten 7Inch, mit dem er das ganze letzte Jahr über an seinem Debütalbum feilte. Rausgekommen sind zwölf Tracks, die die Erlebniswelt von Karate Andi wiedergeben: Er begattet nicht nur Miss Germany im Edel-Puff, sondern liest auch mal Bukowski in der U-Bahn, wenn er beim Schwarzfahren erwischt wird. Mit wie viel Augenzwinkern das ganze zu verstehen ist, das weiß nur der Rapper selbst. Unser Versuch, Licht ins Dunkel zu bringen, ist kläglich gescheitert. Eines ist aber klar: Karate Andi ist auf jeden Fall sehr unterhaltsam.

Hallo, Karate Andi, erzähl uns doch mal ein paar Basics über Dich.  
Ich bin Karate Andi, ich mache Straßenrap, ich hab ’ne Kopie von Mr. Schnabels Vokabelheft!

Pilsator Platin” heißt nichts und klingt nur gut, stimmt’s?
Nein, „Pilsator Platin“ heißt alles, klingt gut und ist eine leicht melancholisch angehauchte Politrapplatte.

Welche drei Worte beschreiben das Album am besten?
Dope, fresh und tight.

Es gibt ein paar ziemlich krasse Homestories von Dir im Netz. Sei ehrlich: Präparierst Du Deine Wohnung für solche Anlässe und machst sie extra dreckig?
Das ist gar nicht meine Wohnung! Das lief so ab wie beim Promidinner: Die haben mir dann ’ne Wohnung gestellt. In so ’nem Loch würde ich nie leben!

Die letzte Marteria-Platte ging auf #1 der deutschen Album-Charts, auch die letzten beiden Casper-Alben: Wäre das was für Dich, so irgendwann mal?
Keine Ahnung.

Das ginge dann eventuell auf die Kosten Deiner etwas härteren Gangart. Wirst Du dem Punchlinerap treu bleiben?
Frag mich das einfach in zehn Jahren nochmal.

Schon mal gezählt, wie oft das Wort  „Bitch” auf Deinem Album zu hören ist?
Nein, ich würde lieber wissen, wie oft die Worte „und” oder „ist” drin vorkommen.

Wie sieht Deine Traumfrau aus?
So oberflächlich bin ich nicht.

Was ist Deine Lieblings-Biersorte?
Alle!

Was war der beschissenste Job, den Du jemals gemacht hast?
Ich glaube der einzige Job, der beschissen ist, ist Kläranlagentaucher. Aber ich denke mal, der wird dann auch gut bezahlt dafür.

Feierst du alles an Neukölln? Hat doch bestimmt auch was Negatives, oder?
Es gibt überall Schlechtes und Gutes auf der Welt.

Deine drei All-time-favourite Alben?
Irgendeins von Murderjunkys, irgendeins von Truck Stop und irgend so ein Codein-Südstaaten-Scheißqualli-Album aus den 90ern.

Willst Du noch was loswerden?
Ja, mein Album Pilsator Platin! Verbreitet Liebe und Frieden auf der Welt und putzt euch die Zähne!

 

Leslie Clio im Interview

Leslie ClioAn einem heißen Sommertag im Juli gab sich Leslie Clio die Ehre und besuchte uns zusammen mit Gitarrist Dennis Becker und Drummer Max Schroeder im Berliner Spotify-Büro. Ein kleines, feines Akustik-Set folgte, bevor Leslie uns Frage und Antwort stand.

“Such a good drama” ist eine Zeile aus “I couldn’t care less“. Bist du eine Drama Queen? Ist Drama etwas, das dein Leben bestimmt?
Doch, ja, ich mag es schon dramatisch. Ich ziehe das Drama nicht an – ich mach einfach manchmal Drama, aber im positiven Sinne. Es gibt ein bisschen mehr Schwung, wenn man von sich aus ein bisschen Drama reinpackt. Der Begriff ist allerdings oft negativ behaftet, gerade „Drama Queen“. Es heißt bloß, dass ich große Gesten und große Gefühle durchaus schätze.

Du bist mit einer Truppe von Männern als Band auf Tour. Ist das schwierig, so in einem kleinen Van? Fangen die nicht irgendwann an zu riechen?

Jungs riechen ja sowieso, Van oder nicht Van, aber ich hab noch ein Mädchen dabei, das riecht immer gut und achtet drauf, dass mein Gesicht sitzt.

Du hast dein Album „Gladys“ zusammen mit Nikolai Pothoff geschrieben und aufgenommen, dem Bassisten vom Tomte. Da erwartet man spontan musikalisch etwas anderes als ein lupenreines Pop-Album.
Soul-Pop! Ich würde es nicht als Pop-Album bezeichnen. Man erkennt einen guten Song daran, dass er ins Ohr geht und hooky ist, aber die Instrumentierung ist nicht poppig. Deshalb ist es Soul-Pop. Ich spiele gerne akustisch, weil es reiner und rauer ist. Ab und zu hört man dann ein Husten oder so, aber das ist das, was ich an Musik liebe, und versucht habe auch auf dem Album so viel wie möglich draufzulassen. Dieses Echte, Kantige, nicht so Glatte ist das, was ich eben an alter Musik so schätze

Was hat dich musikalisch geprägt?
Ich hör sehr viel alte Musik: Soul-Sachen, Ma Rainey, John Lee Hooker, Little Water, und diese ganzen Motown-Sachen auch.

Aus der Bravo kommt das ja nicht. Wer hat diese Musik in dein Leben gebracht?

Ich selber. Ich glaube, manche Dinge werden energetisch geleitet und es hat mich da immer hingezogen. Das war einfach meins.

Bist du schicksalsgläubig? Dass Dinge passieren, wenn sie passieren sollen?
Ich glaube daran, dass man durch Glaube Berge versetzen kann, und dass alles möglich ist, wenn man daran glaubt.

Wann hast du gewusst, du willst Sängerin werden und auf der Bühne stehen?

Schon immer! Deswegen hab ich mich auch nicht so gestresst. Ich hab mein Abi gemacht und bin dann erstmal easy-peasy zwei Jahre reisen gegangen, weil ich wusste, da gibt’s nen Weg, das wird alles. Ich hab mir nie groß Sorgen gemacht.

Und wie ist es jetzt, Teil des Pop-Zirkus zu sein? Du bist bei einer großen Plattenfirma, hast durchgestylte Videos etc. Ist das nicht alles etwas absurd, wenn man da neu reinkommt?

Absurd finde ich es gar nicht, es ist einfach interessant, weil es natürlich etwas ist, das man sich so nicht ausmalt, wenn man Lieder schreibt und durch die Welt spaziert und singen will. Das war etwas, wo ich letztes Jahr komplett ins kalte Wasser geschmissen wurde und jeden Tag dazulerne, weil alles neu ist. Insofern bin ich happy. Ich wurde total oft gefragt: „Lässt du dich nicht verbiegen? Und wurdest du schon… Und musstest du…?“ Dann denk ich mir: Nee, und den Schuh zieh ich mir auch gar nicht erst an. Wichtig ist, dass ich ich selbst bleibe. Mehr muss ich doch gar nicht wissen. Ich mache, was ich liebe und was wahr ist, gewinnt. Der Künstler kreiert seine Kunst und die Plattenfirma setzt das in einen Rahmen. Manche Dinge funktionieren gut, so, wie sie funktionieren.

Du sammelst ständig Ideen für Songs. Wie kann man sich das vorstellen? Hast du immer ein Büchlein dabei oder singst du in dein Handy rein?
Ich hab ein iPhone, das ist für alles da. Memos sind grundsätzlich super für Melodien. Und dann mach ich mir noch Notizen, wobei ich das auch nervig finde, weil ich mich immer vertippe. Ich hab auch noch ein Buch, wo ich immer Sachen reinschreibe. Und meine Handgelenke.

Wie wichtig ist dir deine Online-Welt?

Noch nicht so wichtig. (lacht) Das ist etwas, wonach ich von Natur aus erstmal gar nicht das Bedürfnis habe. Das ist ein kompletter Zweig dieses Berufes, der neu dazugekommen ist. Aber es macht auch total Spass, manchmal bin ich nur gerne einfach offline.

Wäre es dir lieber, es wäre noch wie in den 60ern? Du konzentrierst dich auf deine Musik und nicht auch noch um das ganze mediale Drumrum?
Es ist, wie es ist. Es ist 2013, es wird nie 1960 oder 1970 sein. Musikalisch träume ich mich auf jeden Fall manchmal in diese Zeit, aber trotzdem bin ich eine Künstlerin, die jetzt 2013 das hier macht – und das gehört eben dazu. Solange mir niemand sagt, ich muss jeden Tag mein Essen fotografieren, ist doch alles gut. Es macht ja auch Spass! 

Und was glaubst du, wohin geht’s noch 2013?
To the top, Johnny!

Und mit diesem Mantra der Beatles wünschen wir Leslie viel Erfolg auf dem Weg nach oben!

Hört hier die Live-Aufnahmen der Spotify Office Session mit Leslie Clio:

 

Sieben Wahrheiten über Avicii

-13Endlich ist es da, das lang erwartete neue Album TRUE von Avicii! Um das zu feiern, haben wir Avicii gebeten, für Euch sieben Wahrheiten über sich preiszugeben. Seid Ihr bereit?

Hier war mein erster DJ-Gig: Club Louie in Miami in 2010

Mein Traum ist es, einmal mit dieser Person zusammenzuarbeiten: Adele, ihre Stimme ist sensationell.

Feedback, das ich nie vergessen werde: Als ich Pete Tong während seiner Show 2009 über meine erste Premiäre „Man Man“ sprechen hörte.

Das war das erste Instrument, das ich spielen lernte: Gitarre

Diesen Künstler beneide ich: Ich versuche, mich nicht mit anderen zu vergleichen – ich mache mein eigenes Ding und konzentriere mich 110% darauf.

Dieser Song hat mein Leben verändert: Byron Stingily – Get Up (Everybody). Ein Klassiker, aber trotzdem einfach überwältigend!

Das kann ich aufstrebenden DJs raten: Gebt niemals auf!  Es dauert wirklich lange, bis man den Produktionsteil des Jobs richtig begriffen hat und das Selbe gilt für den Umgang mit den Decks.

Hört Euch das Debutalbum von Avicii,  TRUE,  gleich hier auf Spotify an!

 

 

Nur auf Spotify gibt es heute die exklusiven Bonus-Tracks „Canyons“ und „All You Need Is Love“ zu hören.

 


 

David Lemaitre im Interview

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Für unsere Spotify Session empfingen wir einen echten Weltenbummler im Berliner Spotify-Büro. David Lemaitre wurde in Bolivien geboren, durchquerte halb Europa und entschied sich dann für die deutsche Hauptstadt als vorläufige Heimatbasis. Im April ist sein Debutalbum „Latitude“ erschienen, auf dem sich sowohl ruhige Folk-Momente als auch große Akustikpop-Nummern finden. Wir trafen den Singer-Songwriter direkt nach seinem Auftritt auf ein paar Fragen.

Die gemeinste Frage gleich am Anfang: David Lemaitre in fünf Sätzen?
Ich bin ein Kind von großer Distanz und ein eher introvertierter Typ. Ich bewege mich zwischen südamerikanischer Protestmusik und moderner elektronischer Musik. Hinter diesem Namen steckt mittlerweile eine kleine Familie von fünf Menschen und wir spielen immer zu dritt auf der Bühne. Am Ende ist das ein kleiner globaler Versuch, die Spannweite zwischen dem, was ich in Südamerika, und dem, was ich in Europa in den letzten zehn Jahren mitbekommen habe, in einer neuen Musiksprache zu vereinen. Es ist der Versuch, Folkmusik in einem aktuellen Gewand zu präsentieren.

Viele deiner Lieder handeln von Liebe. Erfüllte, unerfüllte, entstehende, unmögliche. Ist Liebe das wichtigste im Leben?
Ich glaube nicht, dass es das Allerwichtigste ist, aber definitiv ein zentraler Teil von uns allen. Wir haben alle viel zu geben und wollen das teilen. Jeder von uns mag auch Liebe bekommen. Die Hälfte meiner Lieder sind wahrscheinlich davon inspiriert, und die andere Hälfte  sind Lieder, die eher Geschichten erzählen, also nicht direkt von mir handeln. Die Welt zwischen Menschen ist eine unglaublich interessante Welt, die wir gezwungen sind zu überwinden – ob das in einer Beziehung ist, die unglaublich nah ist, oder ob das in der Familie ist, die weit weg ist, oder manchmal in sich selbst… Mich interessiert das Zwischenmenschliche am allermeisten und ich denke, Liebe ist für mich schon immer ein großer Motor für Musik gewesen.

Ist für dich als viel Reisender und Vielgereister Liebe etwas, das Heimat ersetzen kann?
Das tut es in einer gewissen Weise immer. Wir fühlen uns einer Stadt oft sehr nah und merken dann, dass wir uns in dieser Stadt eigentlich in einem relativ kleinen Kosmos bewegen, der meistens viel wichtiger ist als all die Möglichkeiten, die uns irgendwo geboten werden.  Es braucht nur zehn Leute, die  aus einer Stadt wegziehen, um dieses Wort Heimat auf einmal zu relativieren. Zuhause hat sehr viel mit Menschen zu tun und nicht nur mit einem Ort.

 In „Olivia“ gibt es eine Zeile, in der es heißt: „You and me will die alone, you said so“. Hast du Angst davor, alleine zu sterben?
Ob du jetzt sterben wirst oder das, was du gerade tust, die Beziehung, die du gerade hast oder die Arbeit, die dich gerade erfüllt: Es gibt viele Sachen, die uns von heute auf morgen genommen werden können. Dafür bereit zu sein kann man versuchen, aber  eigentlich ist es unmöglich, das immer vorzuahnen und zu akzeptieren. Ich glaube, dass das eine Frage ist, die man vielleicht versucht zu vermeiden, die aber immer da ist. Am Ende des Tages ist man in einer gewissen Weise alleine. Man wird diesen letzten Schritt alleine gehen. Die Zeile, die du zitierst, handelt  von der schwierigen Position in einer Beziehung, wenn man irgendwann einsieht, dass man die andere Person nie wirklich kennenlernen wird, nicht komplett. Und dass es das auch ausmacht, diese Bereitschaft zu sagen, okay, am Ende des Tages wird doch jeder alleine den letzten Schritt gehen müssen. Und das ist ganz gut so.

Da können wir gleich eine zweite Songzeile anschließen.  Auf “Valediction” singst du “Yesterday lies a million years ago / Let it go”. Das ist ein Plädoyer dafür, die Vergangenheit einfach sein zu lassen. Ist der Umkehrschluss daraus, dass du sehr zukunftsgerichtet oder im Jetzt lebst?
Definitiv das Zweite: Der endlose Versuch, immer im Hier und Jetzt zu sein. Ich bin sehr oft umgezogen und hab auf unterschiedlichen Kontinenten und unter unterschiedlichen Menschen gewohnt. Ich merke immer wieder, dass ich nicht gerne an Orte zurückkehren will, weil sich da Erwartungen aufbauen. Selbst wenn man es tun würde, würde man nie an denselben Ort zurückkehren. Deshalb dieser Versuch, einfach nur nach vorne zu schauen und das Zurückgebliebene dort zu lassen. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich versuchen, immer etwas Neues anzufangen, das erwartungslos viel mehr Chancen in sich birgt, als irgendwohin zurückzukehren.

Haben sich im Laufe der Zeit deine Songs in der Bandkonstellation verändert, also wenn sie live gespielt werden?
Definitiv! Das ist etwas, das auch den intimen Moment des Songschreibens beeinflusst, denn man arbeitet mit einer anderen Vorstellung, als wenn man wüsste, man wird alleine auf die Bühne gehen. Auch wenn ich fast alle Instrumente auf der Platte erst mal selber eingespielt habe, sind die Songs sehr bunt ausgefallen. Dieses Multiinstrumentalistendasein war eine Konsequenz daraus, dass wir sehr bunte Songs hatten und uns überlegen mussten, wie wir das zu dritt irgendwie auf der Bühne umgesetzt bekommen. Die beiden sind total angefixt vom Sachen selber bauen. Sebastian hat einen Weinflaschensynthesizer gebaut, damit er eine Hand frei hat zum Klavierspielen, und spielt Cello und Geige gleichzeitig, während Joda auf nem Reisekoffer mit Electronica trommelt. Das ist eher aus der Not heraus gewachsen und mittlerweile eine neue Startposition. Lieder zu schreiben ist ja ein sehr besonderer Prozess, denn am Ende des Tages muss man sich immer wieder selber überraschen. Das ist so wie wenn man Sonntagabend nach Hause  kommt und man hat halt nur ein paar Zutaten da und muss daraus das beste Essen machen, das irgendwie möglich ist. Das kann man auch nicht erzwingen. Die Lieder gehen so ein bisschen ihren eigenen Weg und man versucht ihnen den Weg freizumachen, damit sie irgendwann rund werden. Das ist ein Prozess, der zu dritt auch sehr spannend sein kann und den wir fürs nächste Album womöglich intensivieren werden.

Dein Album ist gerade in Frankreich und Benelux herausgekommen und im Herbst werdet ihr eure erste eigene Tour außerhalb Deutschlands spielen. Ist das aufregend oder nur ein weiterer Teil der Reise?
Es ist ein unglaublich schöner Teil der Reise. Ich hab mir schon immer gewünscht, dass diese Musik, die sich auch von der Verschiedenheit der unterschiedlichen Kulturen nährt, hoffentlich in einer bescheidenen Weise diese Spannbreite bekommt. Ich freu mich natürlich total, dass die Musik in unterschiedlichen Ecken ankommt, auch weil es komplett unterschiedlich ist, Konzerte in jedem Land zu spielen. Das ist wirklich aufregend, auf der Bühne zu stehen und zu merken, dass ein Konzert in Lyon komplett anders ist als ein Konzert in Köln oder Brüssel. Das macht mir unglaublich viel Spaß.

Und wie war die Session im Spotify-Büro?
Das Konzert im Büro war total speziell. Das ist ja so ein intimer Rahmen! Wir hatten sogar zwei kleine Babys im Publikum, das fand ich auch geil. Ziemlich lustig. Hat natürlich total Spaß gemacht. Es hat sich fast gar nicht wie ein Konzert angefühlt, sondern eher wie eine kleine Familienrunde mit den beiden Jungs. Ich bin mal gespannt, mir das anzuhören.

Und wenn ihr ebenso gespannt seid, könnt ihr euch David Lemaitres Spotify Session hier anhören:

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