Unser Interview mit Zaz

Pünktlich zum Release des neuen Albums „Recto Verso“ hat uns Zaz im Berliner Spotify Office besucht und einige Lieder ihres neuen Albums präsentiert. Wir habe die Gunst der Stunde genutzt und ihr gleich ein paar Fragen gestellt:

In “Je Veux” ["Ich will"] zählst du vieles auf, was du dir wünschst. Hast du diese Dinge schon bekommen und bleibt die Liste immer gleich oder verändert sie sich im Laufe der Zeit?

Die Liste ändert sich ständig und ebenso grenzenlos wie die Phantasie, ist die Anzahl vorstellbarer Projekte.

Was kommt als nächstes auf deine Wunschliste?

Ich möchte nach Tibet oder ins Himalaya-Gebirge, unbedingt.

Auf dem Cover deines Albums ‘Recto Verso’ sieht man dich mit vielen Farben im Gesicht und auf “On Ira” singst du von den “milles couleurs de l’être humain” [Tausend Farben des Menschen]. Was bedeuten dir persönlich diese ganzen Farben?

Heute wird versucht, alles und jeden anzugleichen und das finde ich wirklich schade, denn die Unterschiede sind eine Bereicherung. Wenn du etwas hast und ich nicht, kann dies eine Quelle der Inspiration für mich sein, es kann ein Austausch stattfinden. Viele Menschen werden entwurzelt, aus ihrem Umfeld, ihrem kulturellen Erbe herausgerissen und das ist mehr als nur schade. Es sind gerade diese Traditionen, die so unglaublich vielfältig sind und das alles kennenlernen zu können, ist wunderschön. Wir stecken voller Emotionen, ganzen Gefühlspaletten – das ist echter Reichtum!

Die Farben sind also so etwas wie die Kultur?

Kultur, Emotionen, die Vielfalt der Möglichkeiten, für die für uns entscheiden können – ja, das alles stellen die Farben dar.

Selber hast du nach deinem Debütalbum eine etwas dunklere Phase durchlaufen, aber dich dann einfach dafür entschieden, glücklich zu sein. Das wollen viele, aber jetzt mal ganz konkret: wie geht das? Gehören die Grautöne nicht immer auch dazu?

Mit zwanzig habe ich entschieden, nicht mehr Opfer, sondern Akteurin zu sein. Sicher, heute kenne und akzeptiere ich mich besser. Ich nehme all diese verschiedenen Aspekte, die mich ausmachen – wie die Farben einer Palette – viel stärker an und akzeptiere auch diese dunklere Seite in mir. Seither bin ich ausgewogener, mehr in Einklang mit mir selbst. Ich versuche nicht, diese Seite zu ändern, sie ist ganz einfach ein Teil von mir. Seit ich das verstanden habe, ist es wie Tag und Nacht,.

Die deutsch-französische Freundschaft, die unsere Länder verbindet, ist etwas sehr Spezielles, dennoch gibt es weitaus mehr französische Künstler, die Erfolg in Deutschland haben, als umgekehrt. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Aber es gibt doch Tokyo Hotel! (Lachen) Nun, zunächst seid ihr weitaus freier als wir. Ihr urteilt weniger, die Leute sind relaxter. Ihr habt etwas an euch, was für uns als Franzosen einfach angenehm ist.

Du bist auch in anderen Ländern sehr erfolgreich und bist sehr viel gereist. Welches ist dein Lieblingsort und vor allem, wo fühlst du dich mit deiner Musik am meisten verstanden?

Ich fühle mich sehr, sehr gut verstanden. Gerade jetzt läuft es wahn¬sinnig gut in Lateinamerika und den östlichen Ländern. Es ist unglaublich, ich singe ausschliesslich auf Französisch und weiss, wie selten das ist – ich, die es liebt zu reisen, habe ein Wahnsinnsglück. Dazu kommt, in diesen Ländern übersetzen sie meine Texte, weil meine Musik sie berührt und gleichzeitig ist alles sehr intuitiv, in Polen genauso wie in der Türkei, der tschechischen Republik, Japan, Serbien, Kroatien, Bulgarien, Slowenien und und und…

Fühlst du dich eher als Weltbürgerin oder Französin?

Weltbürgerin. Ich stamme von der Erde und habe kein Gefühl der Zugehörigkeit zu Frankreich. Sicher, es ist meine Heimat, meine Sprache und ich liebe diese Sprache. Für mich ist sie wunderschön, so ausdrucksstark. Die Kultur hier ist sehr reichhaltig und “multikulti”. Ich liebe Frankreich, aber eigentlich liebe ich alle Länder. Jedes Land verfügt über seine ganz eigene Energie, Kultur, Vision und das ganz besondere Etwas, das jedem Land eigen ist… Gesichter, Codes… es ist wunderbar, das alles sehen und zu erleben. Natürlich gibt es überall auch Dinge, die mir nicht gefallen, aber die gehören eben auch dazu.

Willst du deinen deutschsprachigen Fans hier bei Spotify noch etwas sagen?

Es ist immer eine Riesenfreude für uns, vor den deutschen Fans zu spielen. Sie sind super spontan, gut gelaunt und geben alles. Sie sind großzügig. So ist es für uns einfach, etwas rüberzubringen, zu geben, geben, geben, den sie nehmen es an, ganz offen, ohne Rückhaltung. Das ist genial. Jedes Land hat seine Eigenheiten, unsere Tournee aber beginnen wir in Deutschland. In Frankreich haben wir nur ein einziges Konzert gegeben, richtig einspielen und uns einstimmen, das machen wir hier. Warum?… Ihr seid einfach so gut zu uns!