Unser Interview mit The Killers

Wir ziehen niemals etwas einfach durch – wir hoffen!“, The Killers

Eines Eurer ersten Interviews habt Ihr 2002 dem Magazin „Billboard“ gegeben. Ronnie, Du hast damals gesagt: „ Wir sind dazu bereit, alles zu tun, damit die Leute uns lieben.“ Steht Ihr dazu heute immer noch?

Ronnie Vannucci: Ja, dazu stehe ich immer noch! Wer würde denn bei einer Band einsteigen, ohne von allen gemocht werden zu wollen? Wenn ich heute allerdings darüber nachdenke, dann wird mir klar, wie glücklich wir uns schätzen können: Wir können genau das tun, was uns Spaß macht – und die Leute mögen das ebenfalls. Bisher wenigstens…

Brandon Flowers: Zu behaupten, dass es uns egal ist, was die Leute denken, wäre wahrscheinlich einfacher. Aber ich denke, wir können schon mit Sicherheit sagen, dass wir immer ehrlich und mutig waren.

Ihr habt als Band für dieses Album das Letzte aus Euch herausgeholt und Eure Nerven ziemlich strapaziert (beide lachen). Habt Ihr die ganze Zeit gespürt, dass Ihr für den enormen Aufwand belohnt werdet?

Ronnie Vannucci: In gewisser Weise ist das bei uns immer so. Großes entsteht, wenn man an seine Grenzen geht. Während man das tut, ist das natürlich nicht so reizvoll, aber rückblickend ist es dann einfach ein wunderbares Gefühl.

Brandon Flowers: Wir ziehen niemals etwas einfach durch – wir hoffen!

Welches Album hat Euch als erstes dazu inspiriert, Musiker zu werden?

Brandon Flowers: Ich kann mich erinnern, dass ich in einer Band spielen wollte, nachdem ich „Hunky Dory” von David Bowie gehört hatte.

Wie bist Du darauf gekommen?

Brandon Flowers: Ich habe das College zwar nicht abgeschlossen, habe aber zwei Kurse an einem Community College belegt. Als ich eines Tages über den Freeway nach Hause gefahren bin, bin ich im Radio auf einen klassischen Rocksender gestoßen, in dem gerade „Changes“ lief. Ich hatte den Song noch nie zuvor gehört. Wegen der Art, wie er die Strophen sang, dachte ich erst einmal an Bob Dylan. Dann habe ich dem Song nachgespürt und das Album entdeckt. Das Seltsame an der Sache war, dass all meine Lieblingsbands – zum Beispiel Morrissey, Depeche Mode oder Duran Duran – von Bowie beeinflusst waren. Ich hatte ihn aber trotzdem nie für mich entdeckt – jedenfalls nicht bis zu diesem Zeitpunkt. Ein wirklich einschneidendes Erlebnis für mich.

Ronnie Vannucci: Bei mir lief das ganz ähnlich. Ich saß als kleiner Junge im Auto, hörte „Damn The Torpedoes“ von Tom Petty und dachte ebenfalls, dass das Bob Dylan sei. Ich erinnere mich noch daran, dass es unheimlich heiß in Vegas war, das Radio war komplett aufgedreht und ich trommelte den Rhythmus an der Autotür mit. Davor hatte ich schon „American Girl“ gehört und bin einfach durchgedreht. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, ob ich Schlagzeug oder Gitarre spielen soll, aber mir war klar: Irgendetwas musste ich tun. Das war ein unbeschreiblich aufregendes Gefühl.

Was war der beste Ratschlag, den Ihr jemals bekommen habt?

Ronnie Vannucci: Wir bekommen nicht so viele Ratschläge! Tatsächlich sollten wir selbst vielleicht manchmal mehr Fragen stellen. Ich selbst hätte mir gerne ein paar Tipps von Elvis geholt. Schließlich brauchen wir alle jemanden in unserem Umfeld, der älter und weiser ist als man selbst.

Brandon Flowers: Ich habe mal einen Rat von Neil Tennant von den Pet Shop Boys bekommen. Ich hatte vorher bei einem Auftritt ein paar Moves auf der Bühne gezeigt und war mir nicht sicher, ob ich sie weiterhin machen sollte, weil die Leute sie ja nun kannten. Normalerweise improvisiere ich bei diesen Bewegungen. Ich bleibe aber dabei, wenn ich merke, dass sie beim Publikum gut ankommen. Neil hat mir dann geraten, mir keine Sorgen zu machen und einfach weiterhin das zu tun, was die Leute sehen wollen.

Gibt es denn einen speziellen „Flowers-Move”?

Brandon Flowers: Da bin ich ganz ehrlich überfragt!

Ronnie Vannucci: Oh, ich sehe jeden Abend bei den Shows sogar einige. Einen Favoriten habe ich aber nicht – ich versuche gar nicht erst, sie nachzumachen!

Und zum Schluss noch die Frage, die uns allen auf den Nägeln brennt: Was ist Euer – Lieblingsgeräusch?!

Ronnie Vannucci: Ganz klar: eine Snare Drum. Mann, wie ich dieses Geräusch liebe!

Brandon Flowers: Keine Ahnung! Obwohl, jetzt fällt mir was ein: Ich liebe das Geräusch, das ein Vierteldollar macht, wenn er auf die Metallscheibe in einem Spielautomaten trifft.

Battle Born: Song für Song

FLESH AND BONE

Brandon Flowers: Wir hatten diesen Song schon mehr oder weniger fertig, als Steve Lillywhite dazu kam. Er hatte die Idee zu dieser Motown-inspirierten Passage.

Ronnie Vannucci: Dadurch wird der Song richtig großartig…

Brandon Flowers: Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber wirklich super. Ohne Steve hätten wir das niemals so gemacht.

Ronnie Vannucci: Unter allen Killers-Songs ist das meine Lieblings-Bridge.

Brandon Flowers: Ich wollte ursprünglich eine Bridge, die an Metronomy erinnert, aber es kam etwas völlig anderes dabei heraus!

RUNAWAYS

Ronnie Vannucci: Durch diesen Song sind wir wieder in die richtige Spur gekommen. 2009 war das sozusagen unser Sprungbrett. Brandon hatte sich eine Akkordfolge ausgedacht, mit der wir vor einem Konzert herumexperimentiert haben. Die Show lief ziemlich schlecht, also haben wir direkt im Anschluss weiter an dem Song gebastelt. Dadurch entstand das Grundgerüst von „Runaways”. Das war sehr aufregend, wir haben gespürt, dass die Richtung stimmt.

THE WAY IT WAS

Brandon Flowers: Daniel Lanois war für ein paar Tage in der Stadt und wir haben eine Menge zusammen gemacht. Der Refrain ging mir schon ein paar Jahre im Kopf herum, die Band hat die Strophen dazu ausgearbeitet – und alles hat sofort perfekt zusammengepasst. Es ging alles sehr schnell.

Ronnie Vannucci: Dave hat sich diese coole Gitarrenlinie ausgedacht, durch die alles nahtlos ineinandergegriffen hat.

Brandon Flowers: Der Song hat übrigens auch eine richtig coole Bridge!

HERE WITH ME

Brandon Flowers: Puh! Das ist ein bewegender Moment in der Geschichte der Killers!

Ronnie Vannucci: Der Song hat sogar zwei Bridges. Und die Leute behaupten, wir seien nicht abenteuerlustig!

Brandon Flowers: Das ist ein wirklich großartiger Song. Er kommt auch live richtig gut rüber. Er ist einfach ehrlich!

A MATTER OF TIME

Ronnie Vannucci: Archäologen fördern bei ihren Ausgrabungen alle möglichen Artefakte zu Tage – Vasen, Zähne von Säbelzahntigern, Kieferknochen und solche Sachen. Bei „A Matter Of Time“ haben wir uns gewissermaßen als Archäologen betätigt. Wir haben tief in unserer Bandgeschichte gegraben und sind in die Zeit zurückgegangen, in der wir noch in meiner Garage geprobt haben. Ohne wirklich danach zu suchen, haben wir entdeckt, dass wir diese Energie, die uns vor zehn Jahren in einer heißen Garage angetrieben hat, noch immer in uns haben. Mit diesem Song haben wir sie eingefangen.

DEADLINES AND COMMITMENTS

Brandon Flowers: Der Song hat es noch in letzter Sekunde auf das Album geschafft! Die Inspiration kam von einem Bob Seger-Song namens „Against The Wind“ – einem der besten Songs aller Zeiten. Der Text dazu kam beim Singen praktisch von alleine. Er vermittelt ein ganz besonderes Gefühl.

Ronnie Vannucci: Außerdem kommt ein Bass-Solo darin vor. Und Rototoms – die haben wir vorher noch nie eingesetzt!

MISS ATOMIC BOMB

Brandon Flowers: Damit haben wir uns sehr früh beschäftigt. Einer der Producer hat den Song abgelehnt. Daran sieht man, dass wir beim Produktionsprozess des Albums positive und negative Erfahrungen gemacht haben. Ein Producer kann sich nämlich auch mal irren – und das war bei diesem definitiv der Fall! Der Song hat wirklich Klasse. Wir haben ihn live gespielt und Leute, die ihn noch nie zuvor gehört hatten, waren auf der Stelle begeistert. Ich liebe die Metaphorik des Songs. Wir haben überhaupt keine Probleme damit, mit Las Vegas und der Wüste in Verbindung gebracht zu werden. Wir finden es eigentlich sogar richtig gut.

RISING TIDE

Ronnie Vannucci: Als wir mit der Arbeit für das neue Album anfingen, haben wir uns einen Monat lang jeden Tag zusammengesetzt und Texte, Melodien und Ideen aufgeschrieben. „Rising Tide“ war der erste vollständige Song, der bei diesen Sessions entstanden ist. Dann haben wir ihn um ein Haar vergessen, ihn später aber wieder ausgegraben.

Brandon Flowers: Ein richtig cooler Song, er spielt sich praktisch von selbst.

HEART OF A GIRL

Brandon Flowers: Daniel Lanois hat bei der Entstehung eine große Rolle gespielt und den Song perfekt auf den Punkt gebracht. Nach der Aufnahme saßen wir zusammen und haben uns mit großen Augen angeschaut, weil wir nicht glauben konnten, dass innerhalb einer Stunde alles erledigt war.

Ronnie Vannucci: Ja, so schnell kann’s manchmal gehen…

FROM HERE ON OUT

Brandon Flowers: Das ist eine ganz neue Seite an uns. Ein frischer Wind – ein kurzer Song!

Ronnie Vannucci: Ein Energieriegel im Songformat! Eines unserer kollektiven Highlights, alle Jungs in der Band lieben diesen Song.

BE STILL

Brandon Flowers: Der Song entstand zur gleichen Zeit wie „Here With Me”, wir wollten Balladen schreiben. Ich liebe zwar unsere Shows, aber wenn die Killers live spielen, dann ist das eben auch immer wie ein anderthalbstündiger akustischer Großangriff. Ab und an ist es eben auch mal ganz nett, wenn man auf eine musikalische Reise gehen kann. Also haben wir uns hingesetzt und den Text gemeinsam mit Daniel Lanois in seiner irren gotischen Villa in Silverlake geschrieben. Es macht Spaß, mit Daniel zu arbeiten, die Dinge einfach geschehen zu lassen. Das gibt einem ein gutes Gefühl.

Ronnie Vannucci: Für mich ein sehr fesselnder Song. Man hört ihn an und befindet sich dadurch für ein paar Minuten an einem vollkommen anderen Ort…

BATTLE BORN

Ronnie Vannucci: Ah, der Titelsong!

Brandon Flowers: Wir haben für den Tim Burton-Film „Dark Shadows” eine Coverversion von „Go All The Way“ von den Raspberries gemacht. Da gibt es diesen vollkommen verrückten Gesangspart im Refrain. Das haben wir uns immer und immer wieder angehört, um herauszufinden, was der Typ da überhaupt macht. Diese Idee haben wir am Ende von Battle Born dann umgesetzt.

Ronnie Vannucci: Das sind richtig viele Singstimmen drin!

Brandon Flowers: Absolut! Viel mehr, als man von uns gewohnt ist…”