Emerge-Gewinner Chakuza im Interview

Chakuza hat den von Ford präsentierten Band-Wettbewerb „Emerge“ auf Spotify gewonnen. Als Dank für alle Votes spielte der Rapper ein exklusives Akustik-Konzert für seine Fans in Berlin. Wir trafen Chakuza kurz vor seinem Auftritt im Backstage-Bereich des „Privatclubs“. Er verriet uns, warum er vor der Spotify Session „Arschwasser“ hatte, was er von Leuten hält, die seinem Käsegenuss im Weg stehen, und wieso er sich als Waldmensch beschreibt.

Dein Stil hat sich auf „Magnolia“, deinem neuen Album, hörbar verändert. Musikalisch ging es vom HipHop zu einer eher klassischen Songstruktur. Hängt das Wort „Neuerfindung“ dir schon zum Hals raus?

Voll! Ich komme ja eigentlich aus der Rockszene oder Indieszene und habe früher schon Mucke gemacht. Mit 16 oder 17 hatte ich dann diesen HipHop-Flash, und habe das natürlich abgefeiert und irgendwann auch selbst gemacht. Das ist halt die einfachste Musik, die man machen kann, außer Trance, Rave und diesem ganzen Gedöns. Irgendwie hat das dann geklappt und ich habe das fünf Jahre lang gemacht, aber dann war es mir zu wenig, einen Beat zu haben, zwei 16er drüberzurappen und ne Hook zu machen. Ich will das echt nicht schlechtreden – es war ne schöne Zeit – aber jetzt fühle ich mich wohl und dabei bleibe ich. Denn in meinem Umfeld können alle Instrumente spielen: Ich spiele selbst drei und alle meine Kumpels auch irgendwelche. Wir haben die gleiche Arbeit gemacht wie immer, es hat nur länger gedauert, weil wir nicht einfach Logic aufgemacht, eine Taste gedrückt haben und dann kam was raus.

„Magnolia“ ist an sich schon ziemlich stripped down, also beatmäßig zurückgenommen. Musstet ihr für das Akustikset, das ihr für die Spotify Sessions spielt, viel verändern?

Wir spielen das heute zum ersten Mal und haben es jetzt gerade erst beim Soundcheck geprobt. Wir haben vorher noch nie so zusammen gespielt, aber es klappt irgendwie, Gott sei Dank. Ich habe vorgestern noch Jonathan angerufen und ihn gefragt: „Hey, kannst du mich backen und mir bei den Hooks aushelfen?“ – denn ich bin ja kein Sänger. Wenn der mir hilft, dann kann es nur gut gehen. Ich glaube, wir haben alle ein bisschen Arschwasser heute, aber ich habe die besten Leute um mich, von daher glaube ich nicht, dass wir verkacken.

Du hast den Emerge-Wettbewerb gewonnen und bist damit der Aufsteiger des Jahres bei Spotify. Glückwunsch!

Ich find’s cool, dass Leute für mich voten, ohne dass ich sie dazu aufrufe. Als ich das am Ende gewonnen habe, habe ich mich natürlich gefreut. Und zwar viel mehr, wenn die Leute das von alleine machen als wenn ich zehntausend Mal am Tag zum Voten aufrufe. Die Leute, die das für mich tun, feier ich voll, aber ich bin in dem ganzen Internetding sehr wenig drin, muss ich zugeben. Ich bin froh, wenn ich meinen Kühlschrank öffnen kann am Morgen… Ich bin eher der Waldmensch als der Internetmensch.

Du hast dich selbst mal als Menschenhasser bezeichnet.

Ja, voll. Ich hasse alle. Tut mir leid. Was ich nicht mag, sind so Egoschweine, die meinen, es gäbe nur sie alleine auf der Welt. Mich nervt das, wenn jemand den Einkaufswagen vors Regal bei Lidl stellt so dass ich nicht zu meinem Käse komme. Da denke ich mir: „Du Arschloch, warum stellst du den nicht zwei Meter weiter weg, ey?“ So was nervt mich, da kann ich richtig ausrasten.

 

 

Ist das von der Energie her etwas, das dich ins Künstlertum getrieben hat?

Nee. Ich komme wie gesagt aus einer Musikerfamilie und die haben immer schon Musik gemacht. Ich habe mit vier mein erstes Musikinstrument in die Hand bekommen, auch wenn’s nur ne Kindertrommel war und ich meine Eltern damit genervt habe. Ich bin nicht Künstler geworden, um meinen Hass in der Welt zu verbreiten, auf keinen Fall.

Du bist in Österreich auch sehr erfolgreich. Was bedeutet dir das als geborener Linzer?

Nichts, gar nichts. Das soll jetzt nicht falsch rüberkommen, aber ich mag Patriotismus prinzipiell nicht. Wir leben alle auf einem Ball und da hat Patriotismus einfach gar nix zu suchen – und schon gar nicht mit der Vergangenheit, die wir haben. Es ist mir egal, wo jemand herkommt. Du kannst auf einer Toilette wohnen und wenn du nett bist, bist du auch nett.

Auf dem letzten Stück deines Albums, „Alles Gut“, sagst du: „Halt die Zeit für ne Stunde an“. Bist du gerade zufrieden?

Man ist nie wirklich zufrieden. Wer ist schon zufrieden? Es geht immer mehr! Ganz ehrlich, es läuft sehr, sehr gut, besser als jemals zuvor, aber es könnte einfach noch cooler sein, auch für die Leute in meinem Umfeld. Es könnte jeder von uns mehr Geld verdienen. Man braucht nicht glauben, nur weil wir jetzt auf einer Bühne stehen und die Leute begeistert sind, dass wir alle im Reichtum leben – das ist nicht so, voll der Blödsinn. Das ist hart verdientes Brot.

Wir haben gehört, du bist letztens schon wieder ins Studio gegangen. Hast du gerade einen Flow was das Songschreiben angeht?

Bei mir ist das schwierig, denn manchmal bin ich dazu auch einfach nicht fähig. Aber manchmal ruf ich dann das Management an und sag „Ey, jetzt gerade könnt ich was schreiben, wir können was machen!“ Und jetzt haben wir ne schöne EP fertig, die wir im Sommer noch rausbringen. Dafür hab ich sogar positive Texte geschrieben – wie unglaublich das auch scheinen mag…”