MØ: Kein Objekt, sondern einfach nur fucking cool!

Spricht man die junge Dame aus Dänemark eigentlich „Mooo”, „Muuu” oder „Mööö” aus? Wir haben sie gefragt. Im Interview verrät uns die Sängerin außerdem mehr über ihr Faible für die Spice Girls und warum sie Kim Gordon von Sonic Youth liebt.

spotlightMoDer Vokal „Ø” kommt im Dänischen, Norwegischen und Feröischen vor, die Aussprache variiert aber je nach Land und Dialekt. Fragt man nach der korrekten Artikulation ihres Namens, der auf Altnorwegisch „Jungfrau” heißt, lächelt sie und sagt ein schwer zu imitierendes und ebenso schwer zu verschriftlichendes Wort, das wie „Möüh” klingt. Egal, einen Versuch war es wert.

Kürzlich hat Karen Marie Ørsted ihr Debütalbum „No Mythologies To Follow” veröffentlicht. Die Kritiker erkennen unterschiedlichste musikalische Einflüsse – von Folk, Hip-Hop, R&B und lupenreinem Pop ist die Rede. Und tatsächlich, MØ mischt aus diesen Elementen ihren ganz eigenen Sound, der – und da sind sich alle einig – absolut den Puls der Zeit trifft.

Hey MØ! Für alle, die Dich nicht kennen: Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Ich bin eine Sängerin aus Skandinavien und mache elektronischen Indiepop gepaart mit Hip-Hop und Soul.

Du hast auch mal in einer Punkband gespielt, oder?

Ja, vor fünf Jahren. Als Kind war ich totaler Fan von Popmusik, sie war das beste überhaupt. Als Teenager stand ich dann auf Punk. Mittlerweile finde ich beides sehr gut… und Hip-Hop auch. Diese drei Genres sind meine größten Leidenschaften. Das hört man in meiner Musik.

Hast Du eigentlich abseits der Musik noch Hobbies?

Nicht in diesem Ausmaß – Musik hat mir immer dabei geholfen, mich auszudrücken und gut zu fühlen. Ich jogge viel, weil es wichtig ist, mich in meinem Körper wohl zu fühlen. Wenn man so viel zu tun hat wie ich, braucht man einen starken Körper und einen starken Kopf um mit diversen Dingen klarzukommen. Laufen sorgt für die nötigen Endorphine und ist Balsam für meine Seele.

Hörst Du Musik, wenn Du joggst?

Nein, das verträgt sich nicht mit der Musik in meinem Kopf – ich höre generell sehr wenig Musik. Wenn ich laufe, dann liebe ich die Stille und mag es, meinen Herzschlag und meinen Atem zu hören. Ich könnte mal versuchen, Musik zu hören und vielleicht würde ich es sogar mögen….

Wann und wie hast du Deinen ersten Song geschrieben?

Meinen ersten Song schrieb ich mit sieben Jahren, inspiriert von den Spice Girls. Sie waren meine größten Vorbilder und ich wollte genau so sein wie sie. Also musste das Lied auch auf Englisch sein, aber es war natürlich ziemlich beschissenes Englisch. Ich glaube nicht, dass es jemand verstehen würde. Die Nummer heiß ‘Because I Love You’ und war ein sehr, sehr schlechter Popsong. Der Refrain ging so: ‘Because I love you, oooh, because I need you, oooh’. Und die Strophe: ‘I love you, I’ve seen you in my school.’ Wow. Das ist eigentlich ziemlich peinlich…  

Überhaupt nicht! Die Spice Girls haben eine ganze Mädchengeneration beeinflusst!

Absolut. Es ging darum, dass die Mädchen untereinander zusammenhielten und sich mehr auf sich konzentrieren konnten. Ich hatte alles Spice-Girls-Barbies und sammelte auch sonst alles von ihnen. Ich weiß noch, als Geri die Band verlassen hatte, saß ich auf meinem Schreibtisch und heulte Rotz und Wasser. Ich war am Boden zerstört.

In welcher Weise möchtest Du für jüngere Mädchen ein Vorbild sein?

Heute ist mein größtes Vorbild Kim Gordon von Sonic Youth. Sie ist eine ganz großartige, coole Frau und hat Attitüde. Sie ist ziemlich tough, aber trotzdem sexy und hat eine Weiblichkeit, die ich bewundere. Sie ist so „Hey, ich bin kein Objekt, ich bin einfach nur fucking cool!”. Diese Ausstrahlung und Stärke hätte ich gerne – ich möchte keine Puppe sein, aber trotzdem feminin. Ich liebe sie.